Jede KriegfĂŒhrung grĂŒndet auf TĂ€uschung. Wenn wir also fĂ€hig sind anzugreifen, mĂŒssen wir unfĂ€hig erscheinen; wenn wir unsere StreitkrĂ€fte einsetzen, mĂŒssen wir inaktiv scheinen; wenn wir nahe sind, mĂŒssen wir den Feind glauben machen, daĂ wir weit entfernt sind; wenn wir weit entfernt sind, mĂŒssen wir ihn glauben machen, daĂ wir nahe sind.
Lege Köder aus, um den Feind zu verfĂŒhren. TĂ€usche Unordnung vor und zerschmettere ihn. Wenn der Feind in allen Punkten sicher ist, dann sei auf ihn vorbereitet. Wenn er an KrĂ€ften ĂŒberlegen ist, dann weiche ihm aus. Wenn dein Gegner ein cholerisches Temperament hat, dann versuche ihn zu reizen.
Gib vor, schwach zu sein, damit er ĂŒberheblich wird. Wenn er sich sammeln will, dann lasse ihm keine Ruhe. Wenn seine StreitkrĂ€fte vereint sind, dann zersplittere sie. Greife ihn an, wo er unvorbereitet ist, tauche auf, wo du nicht erwartet wirst.
Der General, der eine Schlacht gewinnt, stellt vor dem Kampf im Geiste viele Berechnungen an. Der General, der verliert, stellt vorher kaum Berechnungen an. So fĂŒhren viele Berechnungen zum Sieg und wenig Berechnungen zur Niederlage â ĂŒberhaupt keine erst recht! Indem ich diesem Punkt Aufmerksamkeit widme, kann ich voraussagen, wer siegen
oder unterliegen wird.
(…)
Die Ordnung unter dem Mantel der Unordnung zu verstecken ist einfach eine Frage der Unterteilung; den Mut in scheinbarer Verzagtheit zu verbergen setzt schlummernde Energie voraus; StÀrke mit SchwÀche zu maskieren ist eine Folge von taktischen ErwÀgungen.
Wer also das Geschick besitzt, den Feind in Atem zu halten, baut TÀuschungen auf, die den Feind zum Handeln veranlassen. Er opfert etwas, damit der Feind danach greift. Indem er Köder auslegt, hÀlt er ihn in Bewegung; und mit einer Truppe Schwerbewaffneter lauert er ihm auf.