(10.09.2014)
Die Kommission
Auf dem langen Marsch der Institutionen in den 11. September gab es manchen groĂen Sprung nach vorn. Einen zentralen davon reprĂ€sentiert die unter Bill Clinton 1996 formierte âKommission des PrĂ€sidenten zum Schutz kritischer Infrastrukturâ. In der Kommission waren, fast schon klischeehaft, die Bausteine des heutigen imperialen Molochs, des âlebenden, atmenden Organismusâ, âjeder Kontrolle entwachsenâ, des âelektronischen Polizeistaatesâ, des âsicherheitsindustriellen Komplexesâ vertreten, der fĂŒnf Jahre spĂ€ter durch den 11. September entfesselt und ĂŒber die Welt herfallen sollte, obwohl er angeblich dafĂŒr gezĂŒchtet worden war genau solche Attentate zu verhindern.
Neben den Konsortien AT&T (frĂŒher das landesweite Telefonmonopol Bell Company, s.o.) und dem vor dem Ersten Weltkrieg als âComputing Tabulating Recording Companyâ gegrĂŒndeten IBM Konzern saĂen NSA, CIA, FBI, MilitĂ€r, Pentagon, das Justizministerium, hochrangige BĂŒrokraten des PrĂ€sidentenpalastes der heute âWeiĂes Hausâ genannt wird, die Zentralbank Fed, das Finanzministerium, das Transportministerium, das 1934 aus fĂŒnf Industrie-Vereinigungen verschmolzene Eisenbahn-Trust âAssociation of American Railroadsâ, das Handelsministerium, die EliteuniversitĂ€t in Georgetown, usw, usw.
Den Vorsitz hatte der 1925 geborene Robert T. Marsh, ein Vier-Sterne-General, bereits seit dem Zweiten Weltkrieg in der Air Force, spĂ€ter im Kalten Krieg als Stabsoffizier im Strategischen Kommando zustĂ€ndig fĂŒr die Infrastruktur gebunkerter Atomwaffen, sowie u.a. Leiter der Produktions- und EntwicklungsstĂ€tte elektronischer Systeme der Air Force auf der Luftwaffenbasis in Hanscom.
In ihrem am Oktober 1997 ĂŒberreichten Bericht machte die Kommission eine endlose Reihe von âEmpfehlungenâ fĂŒr Gesetze, Behörden und Bestimmungen, sowie dazu gleich eine ebenso lange Reihe von Rechtsbegriffen bzw Definitionen, die spĂ€ter durch den PrĂ€sidenten eins zu eins umgesetzt wurden, u.a. in den geheimen PrĂ€sidentenbefehlen PDD 62 und PDD 63.
Bereits zu diesem Zeitpunkt, in 1997, betonte die Kommission:
âWir mĂŒssen unser neues Denken der Cyber-Dimension anpassen. .. Mit das Wichtigste ist zu erkennen, dass die Besitzer und Betreiber unserer kritischen Infrastruktur nun an den Frontlinien unserer SicherheitsbemĂŒhungen stehen. Sie sind diejenigen, die gegenĂŒber Cyber-Attacken am Verwundbarsten sind. Und diese Verwundbarkeit setzt unsere Nationale Sicherheit, unsere globale wirtschaftliche WettbewerbsfĂ€higkeit und unser heimisches Wohlergehen aufÂŽs Spiel.
Es ist in diesem Sinne, dass wir unseren Bericht vorstellen.â
Leider ist die nĂ€chste Seite des Berichts âabsichtlich leer gelassenâ. So ganz öffentlich war der Bericht nicht.
Ebenfalls in weiser Voraussicht formulierte die âKommission des PrĂ€sidenten zum Schutz kritischer Infrastrukturâ:
âDas Transportministerium hat den Gesetzentwurf H.R. 1720, Surface Transportation Safety Act of 1997, ĂŒbermittelt, der entworfen wurde um Passagiere und Angestellte in Schienenverkehr und Massentransportsystemen und die Bewegungen von Fracht durch Schienenverkehr vor terroristischen Angriffen / TerroranschlĂ€gen (âterrorist attacksâ) zu beschĂŒtzen. Die Kommission empfiehlt diesem Gesetzentwurf starke UnterstĂŒtzung durch Administration und Kongress zu geben.â
Eine âkritischeâ (entscheidende, âcriticalâ) Infrastruktur im Transport-Sektor definierte die PrĂ€sidentenkommission als
âcharakterisiert durch das physische Vertriebs (Beförderungs-)system, das kritisch ist in der UnterstĂŒtzung der Nationalen Sicherheit und dem ökonomischen Wohlergehen dieser Nation, eingeschlossen das nationale Luftraumsystem, Fluglinien und Flugzeuge, und FlughĂ€fen.â
Auch was die Sicherheit im Flugverkehr anging, sprach man, vier Jahre vor 9/11, schon durchaus miteinander.
âMehrere Bundesbehörden stellen Besitzern und Betreibern von Infrastruktur Information(en) zur VerfĂŒgung. Das ÂŽAwareness of National Security Issues and ResponseÂŽ (ANSIR) Programm des FBI gibt ĂŒber 25.000 Mitgliedern der Industrie Auskunft (âinformationâ), die Einblicke in Bedrohung und Verwundbarkeit gibt. Enger gefasste Programme sind die Benachrichtigung des Transportministeriums ĂŒber terroristische Bedrohungen an die zivile Luftfahrtindustrie und die informationssicherheitsbezogene Verwundbarkeits-EinschĂ€tzung (âINFOSEC Vulnerability Assessmentâ) der National Security Agency, das informationssystem-bezogene Daten Partnern im privaten Sektor zur VerfĂŒgung stellt.â
Dem Transportministerium und seiner Luftfahrtbehörde FAA (âFederal Aviation Administrationâ) konstatierte die PrĂ€sidentenkommission in 1997:
âDie Sicherheit (in) der zivilen Luftfahrt bleibt die erste PrioritĂ€t und der Schwerpunkt des Transportministeriums. Die FAA hat die Verantwortung und die AutoritĂ€t NotfallmaĂnahmen fĂŒr Luftfahrtunternehmen und FlughĂ€fen anzufordern, um schnell und effektiv mit unmittelbaren Bedrohungen gegen die zivile Luftfahrt umzugehen.â
Aber:
âDas Luftfahrtkontrollsystem der FAA basiert auf Jahrzehnte alter Technologie. Das Ersatzsystem, obwohl zweifellos effizienter, wird verwundbarer sein, wenn keine speziellen SicherheitsmaĂnahmen eingefĂŒgt werden.â
Und deshalb:
âEmpfehlen wir: Die Bundesluftfahrtbehörde (FAA) handelt sofort darin, ein umfassendes Nationales Luftraum-Sicherheitsprogramm zu entwickeln, etablieren, finanzieren und zu implementieren, um das modernisierte Nationale Luftraum-System vor informations-basierten und anderen Störungen, Eindringungen (âintrusionsâ) und Angriffen zu beschĂŒtzen. Umsetzung durch Programm sollte geleitet sein von den Empfehlungen, die man im ÂŽVulnerability Assessment of the FAA National Airspace System ArchitectureÂŽ findet, die fĂŒr diese Kommission vorbereitet wurde.â
Man empfahl dem PrÀsidenten also etwas, was einem empfohlen worden war.
Das neue System der Luftfahrtbehörde FAA
(âŠâŠâŠâŠâŠâŠâŠâŠâŠâŠâŠâŠâŠâŠ.)