(August 27, 2020)
Jahrzehntelang belauschten BND und CIA die verschlĂŒsselte Kommunikation von ĂŒber 100 Staaten. Die Operation „Rubikon“ wurde bis heute geheim gehalten. Sie gilt als gröĂter Erfolg des BND.
Opfer des Lauschangriffs waren arabische und sĂŒdamerikanische LĂ€nder, aber auch NATO-Partner. Sie vertrauten der Krypto-Technik eines schweizerischen Herstellers â und wurden betrogen. Welche politischen Folgen hatte das jahrelange Mitlesen geheimer Nachrichten?
Politische Handlungen durch Rubikon
Die „Rubikon“-Papiere belegen erstmals, dass BND und CIA zum Beispiel frĂŒhzeitig ĂŒber den Sturz des chilenischen PrĂ€sidenten Allende 1973 und die schweren Menschenrechtsverletzungen durch die argentinische MilitĂ€rjunta informiert waren. Politische Folgen, etwa in Form von Protesten der Bundesregierung, hatte das nicht.
Auch im Falklandkrieg kamen die fĂŒr den Sieg der Briten notwendigen Informationen aus der Operation „Rubikon“: Der BND konnte den militĂ€rischen Funkverkehr der Argentinier entschlĂŒsseln. Das britische MilitĂ€r war so ĂŒber die Bewegungen der argentinischen StreitkrĂ€fte informiert. Einer der klar belegbaren FĂ€lle, in denen „Rubikon“ konkrete – und blutige – Konsequenzen hatte.
KĂŒhn und skandaltrĂ€chtig
Einer der gröĂten Abnehmer fĂŒr die manipulierten schweizerischen VerschlĂŒsselungsgerĂ€te war der Iran. Jahrzehntelang waren Deutsche und Amerikaner deshalb bestens ĂŒber die geheimen Regierungskommunikationen des Ajatollah-Regimes informiert und nutzten diese Kenntnisse zum Beispiel in der GeiselaffĂ€re, um die US-Botschaftsangehörigen freizubekommen.
Geheimdienstexperte Prof. Richard Aldrich wertete die dem ZDF exklusiv vorliegenden geheimen Akten aus. Sein Fazit: „Die Operation Rubikon war eine der kĂŒhnsten und auch skandaltrĂ€chtigsten Operationen, denn ĂŒber hundert Staaten zahlten Milliarden Dollar dafĂŒr, dass ihnen ihre Staatsgeheimnisse gestohlen wurden.“
Der Dokumentation liegen langjĂ€hrige Recherchen von ZDFinfo, „Frontal 21“, der „Washington Post“ und der „Rundschau“ des Schweizer Fernsehens SRG zugrunde.