(31.01.2024)
Ab diesem Zeitpunkt war ich nur noch die Nummer A-26877
Zu den stundenlangen Appellen drauĂen im eiskalten Schnee, wo mir die Finger und Zehen erfroren, kamen noch die Misshandlungen dazuâŠ.
Ich wurde immer schwÀcher, lag auf der Pritsche und nahm kaum noch wahr, was um mich herum geschah.
Eines Tages bekam ich mit, dass die Deutschen alle HĂ€ftlinge zusammentrieben.
âRAUS ! AUFSTELLEN ! LOS ! MARSCH !â
Ich blieb liegen, hatte keine Kraft mehr zu reagieren.
Dann war es auf einmal still in der Baracke.
Neben mir lagen noch einige Frauen regungslos. Sie waren tot.
Ich weiĂ nicht wie lange ich so da lag, doch irgendwann spĂŒrten meine vom Fieber brennenden Lippen, eine Hand die mich mit kaltem Schnee fĂŒtterte.
Der Schnee tat gut, er stillte meine Schmerzen.
Dann versank alles wieder im Dunkeln.
Als ich das nĂ€chste Mal das Bewusstsein wieder erlangte, leuchtete ein feuerroter Stern ĂŒber mir.
Als mein Blick langsam klarer wurde, erkannte ich einen russischen Soldaten der sich lĂ€chelnd ĂŒber mich beugte.
Die menschliche WĂ€rme in seinem Blick tat mir gut.
Es war der 27. Januar 1945 und ich lebte.
(…)
Und dann kam der 7. Oktober.
Der Tag an dem der tödlichste Angriff gegen Juden seit der Shoah stattfand.
Der Tag an dem die Terrororganisation Hamas Babys, Kinder, Eltern und GroĂeltern, in Israel bestialisch ermordete – nur weil sie Juden waren.
Der Tag an dem die Hamas glĂŒcklich tanzende Jugendliche auf dem Nova Friedensfestival vergewaltigten ermordeten und verschlepptenâŠâŠ
Meine Enkelin die in Israel lebt, hĂ€tte auch dort sein könnenâŠ
Sehr geehrte Damen und Herren es hĂ€tten auch IHRE Kinder sein könnenâŠ.
Immer noch sind ĂŒber 100 Geiseln in den HĂ€nden der Hamas,.
Ich hatte so gehofft, dass ich das heute nicht mehr sagen mĂŒsste.
BRINGT SIE NACH HAUSE, Jetzt !!!!
Der 7. Oktober, der Tag, der fĂŒr uns Juden auf der Welt ALLES verĂ€nderteâŠ.
Mein Alltag hier in Deutschland, ist seitdem geprĂ€gt von erhöhten SicherheitsmaĂnahmen.
Von vermehrten antisemitischen VorfÀllen.
Von Ăngsten.
Von GesprĂ€chen die mit âJa Aber..â beginnenâŠ.
Oder dem so lauten Schweigen aus der Mitte der GesellschaftâŠ.
Mir selbst wurden Lesungen kurz nach dem 7. Oktober in Schulen abgesagt⊠da nicht fĂŒr meine Sicherheit gesorgt werden könnte.
Die letzten Male sprach ich in Schulen unter Polizeischutz.
Ich weiĂ, dass ich das Trauma der Shoah an meine Kinder, Enkel und Urenkel weitergegeben habe.
Aber, dass sie jetzt diese ExistenzĂ€ngste auch REAL erleben mĂŒssen,
schmerzt mich sehr.
Die Shoah begann nicht mit Auschwitz. Sie begann mit WortenâŠ
Sie begann mit dem Schweigen und dem Wegschauen der Gesellschaft.
Es schmerzt mich,
wenn SchĂŒler jetzt wieder Angst haben in die Schule zu gehen – nur weil sie Juden sind.
Es schmerzt mich,
wenn meine Urenkelkinder immer noch von Polizisten mit Maschinengewehren beschĂŒtzt werden mĂŒssen, – nur weil sie Juden sind.
Ich wĂŒnsche mir,
dass nicht nur an den Gedenktagen an die toten Juden erinnert wird,
sondern auch im Alltag an die Lebenden.
S i e brauchen jetzt Schutz.
Es erschreckt mich,
das rechtsextreme Parteien wieder gewÀhlt werden.
Sie dĂŒrfen nicht so stark werden, dass unsere Demokratie gefĂ€hrdet wird.
Wir sind kurz davor.
Ich wĂŒnsche mir das die Gesellschaft nicht schweigt, wenn am Nebentisch antisemitische ĂuĂerungen fallen.
Wer schweigt macht sich mitschuldig.
Ich wĂŒnsche mir,
dass Studenten ihre jĂŒdischen Kommilitonen unterstĂŒtzen, wenn sie angefeindet werden.
Ich bin dankbar, dass unsere Regierung sich gleich nach dem 7. Oktober, mit Israel solidarisiert und sich hinter die JĂŒdischen Gemeinden in Deutschland gestellt hat.
Ich fĂŒhle mich durch unsere Demokratie beschĂŒtztâŠNochâŠ
Aber es macht mir groĂe Sorgen und ich bin traurig zu Sehen, was sich auf den StraĂen abspielt,
die Bereitschaft zur GewaltâŠ
der JudenhassâŠder Menschenhass..
Warum verteidigen nicht alle Menschen dieses wunderbare Grundgesetz und unsere Demokratie in der wir leben ?