(12. November 2016)
Aus Interviews mit AussteigerInnen der mutmaĂlich eng mit den Mitgliedern und Mitgliedern der âTechnischen AufklĂ€rungâ des Bundesnachrichtendienstes eingebetteten israelischen Einheit 8200, veröffentlicht im âGuardianâ im September 2014:
âIch nahm eine Funktion an, in der Leute ÂŽZieleÂŽ genannt wurden, und diese Leute die uns wirklich interessieren sind in keinem Sinne Terroristen, sondern eher generell normale Menschen â die uns interessieren wegen ihrer Funktionen, so dass wir mehr Geheimdienstinformationen ĂŒber sie bekommen können und mehr Zugang erzielen. Wir nutzen unsere Möglichkeiten ĂŒber diese Menschen zu unserem Vorteil, um es uns leicht zu machen. Wir nutzen die Einwirkung / die Wucht (âimpact) die wir auf deren Leben haben. Manchmal beinhaltet dies das Leben, oder die Seele einer Person wirklich zu verletzen. Ich meine Erpressung, bei Dingen die sie vor Leuten um sich herum verbergen mĂŒssen. Ich kann Menschen wirklich das Leben zerstören. Es gab mir das GefĂŒhl omnipotent zu sein.
Als ich diesen Job begann, war ich ĂŒberrascht von dem AusmaĂ meiner Verantwortung. Ich hatte das GefĂŒhl ĂŒber wichtige Dinge ein Mitspracherecht zu haben. Ich konnte Dinge in Gang setzen, die das Leben (Anm.: es folgt die Bezeichnung der ausspionierten OrtsansĂ€ssigen) betrafen â ich konnte meine Einheit dazu bringen alle möglichen MaĂnahmen zu ergreifen. Die Einstellung war ÂŽWarum nicht? Wir können, also lasst es uns tun.ÂŽ Ich dachte, dass das, was ich tun konnte verrĂŒckt war. Wir waren die Chefs.â
Ein ex-Spion von 8200 berichtet, wie Soldaten unter seiner Ausbildung systematisch moralisch korrumpiert wurden, um sie zu âvergiftenâ und die Skrupellosigkeit im Apparat weiter auf Standard zu halten. Bei Razzien âbeschlagnahmteâ persönliche GegenstĂ€nde von Individuen â âPhotos von Kindern, Uhren, Familienfotos, FussballtrophĂ€en, BĂŒcherâ, bis hin zu Juwelen â wurden nicht nur zur Mitnahme angeboten, sondern in den AusbildungsrĂ€umen zur Schau gestellt.
âDie Idee war die Auszubildenden (âstudentsâ) zu vergiften.“
(…)
âDie einzige Schlussfolgerung die gezogen wurde, dass es in dieser Einheit so etwas wie einen illegalen Befehl nicht gibt. Es sind nicht wir, die entscheiden was moralisch ist und was nicht. Heute erkenne ich, dass dies das ist, was auch der Bomberpilot sagt: `Es ist nicht an mir zu sagen was moralisch ist und was nicht.` Jeder reicht die Verantwortung an Andere weiter.â