(26. Dezember 2008)
Es gibt nur ganz wenige, die wie er widerstanden und gesprochen haben als das Schweigen am ohrenbetĂ€ubendsten, als die Nacht am tiefsten, der Sturm am gnadenlosesten, die Unterwerfung am erbĂ€rmlichsten und die Hypnose am stĂ€rksten war. Was Harold Pinter fertig brachte – und wie er viele KĂŒnstler weltweit, Michael Moore, Eminem, Madonna, Uri Avnery, ich natĂŒrlich, Tim Robbins, Susan Sarandon und Dustin Hoffman – war ein mentaler Aufstand, ein geistiger Sieg, ein standhaftes Augenaufhalten gegen die bleierne MĂŒdigkeit der Zeit angesichts von Folter und Massenmord, Lagern und Feldlagern, Krieg und schleichendem Staatsstreich gegen die Demokratien, Dekadenz und Beliebigkeit, stĂ€ndig begleitet durch die alles ersaufenden Heuchel- und Schwatzorgien der Staats- und Konzernpresse und in derem Kielwasser natĂŒrlich die alles niedersitzende Korruption.
Auch die allerletzte Verteidigungslinie – der Humor – hielt bei Harold immer stand. Das Verschmitzte, das wahrhaft Britische in seiner klaren Essenz, die FĂ€higeit ĂŒber seine schwachköpfigen Mitmenschen herzuziehen ohne ihnen den Mut zu rauben, das Zwinker-Zwinker, es blitzte bis zuletzt und auch in seiner berĂŒhmt gewordenen Abrechnung mit der Politik des sogenannten Westens insgesamt und im Speziellen mit dem Imperium USA durch.
Wie feige, wie nichtswĂŒrdig, wie unendlich hasenfĂŒssig die gesamte deutsche Presse damals an jenem 9.Dezember 2005 war…
Nein, vergessen Sie das.
Wie feige, wie nichtswĂŒrdig, wie unendlich hasenfĂŒssig die gesamte deutsche Presse ist, erkennt man bis heute an der Reaktion auf diese anlĂ€sslich des verliehenen Nobelpreises fĂŒr Literatur von Harold Pinter im Rollstuhl gehaltene Rede. Sie geisterte jetzt in minimalen Abrissen zum ersten Mal durch die Megafone des Establishments.
Aber nachdem sie von Mr.Pinter der Welt um die Ohren gehauen ward, in einer damals fĂŒr unwagbar, unmachbar und undurchfĂŒhrbaren IntensitĂ€t und Kraft, da wurde sie durch die kommmerzielle Presse einfach verschwiegen. Am nĂ€chsten Tag gab es zwar kein einziges Wort ĂŒber die dramatische Rede des sterbenden LiteraturnobelpreistĂ€gers, dafĂŒr eine ausfĂŒhrliche Berichterstattung ĂŒber den FriedensnobelpreistrĂ€ger El Baradei, den Chef der internationalen Atomenergiebehörde, der – oh Murmeltier, komm und hol uns – mit einer dieser Schwachsinns-Arien ĂŒber den „Wettlauf“ der zivilen westlichen atomaren Welt mit dem „nuklearen Terrorismus“ aufwartete. Die ARD liess es sich nicht nehmen dem IAEA-PreistrĂ€ger schon damals (nach gelungenem Irakfrieden) bei seinen nĂ€chsten Verhandlungen mit „vermuteten“ AtommĂ€chten viel Erfolg zu wĂŒnschen.
Ein Albtraum der Falschheit, den sich am besten jeder selbst im (nicht aus guten, aber verstĂ€ndlichen GrĂŒnden) zusammengetrichenen ARD-Archiv mal ansehen sollte.
Doch jetzt zur Rede. Ab jetzt spricht Harold Pinter fĂŒr sich selbst.