Am Abend des so ereignisreichen 10.November kam es zu einer weiteren wichtigen âVereinbarungâ, die in einem Telephonat zwischen der Reichskanzlei und der Obersten Heeresleitung, die ihren Sitz in Spa hatte, getroffen wurde. In diesem GesprĂ€ch zwischen Friedrich Ebert (Volksbeauftragter seit demselben Tag) und der Obersten Heeresleitung, in Person von General Wilhelm Groener, wurde festgelegt, daĂ sich das Heer der âReichsregierungâ (so wird der RdV von Groener bezeichnet) zur VerfĂŒgung stellen werde, jedoch nur unter der von Groener gestellten Voraussetzung, daĂ die Regierung energisch den âBolschewismus und das RĂ€teunwesen bekĂ€mpfenâ und die âOrdnung in Staat und Gesellschaftâ aufrechterhalten werde.
Warum Ebert diesen Forderungen zustimmte, kann an dieser Stelle nicht erörtert werden. Aus dieser Zustimmung geht jedoch deutlich hervor, daĂ fĂŒr Ebert die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung bzw. die Verhinderung eines Chaosâ im Vordergrund seiner Ăberlegungen stand.
(âŠ)
So erfolgte am 23.11.1918 die Einladung zum 1.RK durch den VR. 25 Als Termin fĂŒr das Zusammentreten des RĂ€tekongresses wurde der 16.12.1918 und als Tagungsort der Sitzungssaal des ehemaligen PreuĂischen Abgeordnetenhauses vorgeschlagen. Da es aufgrund der ĂberstĂŒrzung der Ereignisse nicht möglich gewesen war, ein einheitliches, allgemein gĂŒltiges Wahlsystem vorzulegen , empfahl der VR, aus den bestehenden AuSRen die KongreĂ-Delegierten zu wĂ€hlen. Es wurde festgelegt, nicht mehr als 500 Delegierte am KongreĂ teilnehmen zu lassen, wobei auf je 100.000 Soldaten und je 200.000 (Zivil-)Personen je ein Delegierter gewĂ€hlt werden sollte. Grundlage fĂŒr die Wahlen sollten die VolkszĂ€hlungsergebnisse sein.
(âŠ)
Neben den 489 Mandatsinhabern nahmen am KongreĂ 17 Vertreter der Regierung teil, die kein Mandat besaĂen. Darunter befanden sich die 6 Volksbeauftragten Ebert, Scheidemann, Landsberg, Dittmann, Barth und Haase sowie Vertreter der Reichskanzlei (UnterstaatssekretĂ€r Kurt Baake, Pressechef Rauscher, SekretĂ€r Walter Oehme, und der persönliche Referent Ebertâs Heinrich Schulz), des AuswĂ€rtigen Amtes (Karl Kautsky), des Reichsamtes des Innern (Dr. Rudolf Breitscheid), des Reichsmarineamtes (Gustav Noske) und der preuĂischen Regierung (Paul Hirsch, Eugen Ernst). Mit Ausnahme einiger Vertreter der Reichskanzlei gehörten diese Personen entweder der MSPD oder der USPD an.
(âŠ)
Die 6 Volksbeauftragten und die 10 Redner des VR nahmen somit zusammen mehr als die HĂ€lfte der Redezeit aller 120 Redner wĂ€hrend der gesamten KongreĂdauer ein.
(âŠ)
Zusammenfassung:
Das wohl wichtigste Ergebnis des 1.RK war die Entscheidung zur verfassunggebenden NV und die Festlegung des Wahltermins auf den 19.Januar 1919. Damit war die EinfĂŒhrung der parlamentarisch-demokratischen Republik als Staatsform angenommen und die EinfĂŒhrung eines RĂ€tesystems abgelehnt. Es muĂ an dieser Stelle nochmals darauf verwiesen werden, daĂ diese Alternative auch nicht im Mittelpunkt der abgestimmten AntrĂ€ge stand. Die Delegierten stimmten âlediglichâ ĂŒber die unterschiedlichen VorschlĂ€ge fĂŒr einen Wahltermin der NV ab, wobei dieses Vorgehen von den Delegierten laut Protokoll zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt wurde.
Die MSPD-FĂŒhrung konnte sich mit ihren Vorstellungen ĂŒber Verlauf und Entscheidungen des RĂ€tekongresses weitgehend durchsetzen. Die Frage der Kommandogewalt bzw. MilitĂ€rfragen wollte sie zwar nicht durch den KongreĂ diskutiert und entschieden haben, der hierzu angenommene Antrag ĂŒbertrug jedoch dem RdV die Oberste Kommandogewalt ĂŒber Heer und Marine und sicherte den Volksbeauftragten ihren diesbezĂŒglichen EinfluĂ.