Archiv: Solingen(city)


28.08.2024 - 19:33 [ Netzpolitik.org ]

BKA-Gesetz: Wenn Polizisten zu Einbrechern mutieren

Obwohl die Polizei eine ganze Reihe an Trojaner-Produkten besitzt, kann sie nicht alle GerÀte erfolgreich aus der Ferne infizieren.

Deshalb will die Bundesinnenministerin jetzt nachschĂ€rfen. Damit die Smartphones und Tablets von VerdĂ€chtigen mit der staatlichen SpĂ€hsoftware infiziert werden können, sollen Polizisten kĂŒnftig in die Wohnungen der VerdĂ€chtigen einbrechen dĂŒrfen. Das zumindest sieht die Änderung des BKA-Gesetzes vor, die netzpolitik.org Mitte August veröffentlicht hat. Die Klempner lassen grĂŒĂŸen.

Mit Verve schoss Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) dagegen. Mit dieser Maßnahme werde es das BKA-Gesetz nicht bis ins Bundeskabinett schaffen, kĂŒndigte er an.

Der Liberale hatte seine Rechnung ohne den Messerangriff von Solingen und ohne den BundesprĂ€sidenten gemacht. Denn Frank-Walter Steinmeier mischte sich unmittelbar nach der grausamen Bluttat ins politische TagesgeschĂ€ft ein und brachte die Änderung des BKA-Gesetzes erneut ins Spiel.

22.05.2020 - 18:36 [ Nachdenkseiten ]

Der Brandanschlag in Solingen am 29. Mai 1993 und die halbe Wahrheit

Fazit: Das Versagen des Geheimdienstes ist sein Erfolg

Wenn man nicht wĂŒsste, dass sich diese „Arbeit“ des Verfassungsschutzes, diese Art der AufklĂ€rung vor einem Vierteljahrhundert zugetragen hat, wĂŒrde man sofort an den „NSU-Skandal“ denken. Doch genau das wĂ€re extrem kurz gesprungen.

Seit einem Vierteljahrhundert wird an dieser Praxis nichts geĂ€ndert. Der Verfassungsschutz wird nicht dazu verpflichtet, seine V-Leute als Zeugen zur VerfĂŒgung zu stellen. Die politisch Verantwortlichen decken diese Form der Sabotage.

Seit einem Vierteljahrhundert begehen V-Leute (schwere) Straftaten und sind „safe“ (wie es der V-Mann ‚Kirberg‘ ausdrĂŒckt), wenn sie doch ins Visier polizeilicher Ermittlungen geraten.

Seit einem Vierteljahrhundert werden im Schutz des Geheimdienstes (mögliche) Beweismittel beseitigt, Ermittlungen sabotiert, was in der Summe zu dem Ergebnis fĂŒhrt, dass der Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ noch mehr Geld, noch mehr Personal, noch mehr politische SchĂŒtzenhilfe bekommt, von jeder Regierung, in jedem Farbton.

Und als wollten die politisch Verantwortlichen unter Beweis stellen, dass das Eingestehen und Bedauern von „Pannen“ nicht mehr ist als Juckpulver, hat die amtierende Bundesregierung noch etwas draufgelegt: Im Zuge der Nicht-AufklĂ€rung der NSU-Morde wurden die ‚Arbeitsbedingungen‘ des Verfassungsschutzes deutlich verbessert. Musste dieser bislang verleugnen, verdecken und vertuschen, dass V-Leute an (schweren) Straftaten beteiligt sind bzw. diese ermöglicht haben, sind sie nun weitgehend straffrei gestellt: