18.11.2013 - 14:13 [ Haben und Brauchen ]

Manifest

Die rege Kunstszene entwickelte sich in Berlin weniger durch besondere Unterstützung der öffentlichen Hand, sondern durch ihre historische Situation. Genau in dem Moment, in dem sich Bedingungen für Kulturschaffende jedoch dramatisch verschlechtern, besinnt sich die Stadt auf ihre Künstlerinnen. Das ist im Prinzip willkommen zu heissen. Die Auffassung, wie Kunst zu fördern sei, steht bis jetzt jedoch im scharfem Gegensatz zu dem, was Künstlerinnen selbst als notwendig erachten. Unserer Meinung nach brauchen Kulturschaffende heute zuallererst eine Absicherung ihrer Produktionsbedingungen (und nicht notwenigerweise eine neue Kunsthalle).

Die seit 2011 tätige Aktionsgruppe Haben und Brauchen bietet in diesem Rahmen für Akteure aus dem Kunstfeld und angrenzender Tätigkeitsbereiche eine Diskussions- und Aktionsplattform an. Berlin unterscheidet sich in seiner sozialen und ökonomischen Struktur immer noch von anderen Städten weltweit. In der historisch bedingten Heterogenität und Durchmischung der Stadt liegt ein Potential für die Zukunft und kein Auslaufmodell der Vergangenheit. Vor diesem Hintergrund gilt es ein Bewusstsein und Selbstverständnis darüber herzustellen, was die künstlerischen Produktions- und Artikulationsformen, die sich in Berlin über die letzten Jahrzehnte entfaltet haben,
auszeichnet und wie diese erhalten und weiterentwickelt werden können. Deshalb ist es von Bedeutung, sich nicht auf die Forderung nach städtischen Freiräumen und bezahlbaren Ateliers, nach Erhöhung und Neuorientierung der öffentlichen Kunstförderung zu beschränken, sondern eine Anbindung an aktuelle Diskussionen um Stadtentwicklung, Liegenschafts- und Mietenpolitik zu vollziehen und sich im Hinblick auf die Begriffe und Realitäten von Arbeit, Produktivität und Gemeinwesen zu positionieren.