Innerhalb Europas tun sich neue altbekannte Hegemonien auf. Der Euro ist die neue Wunderwaffe, um deutsche Dominanz durchzusetzen. Das am Export orientierte Modell soll als Blaupause für den Rest des Kontinents dienen, in Europa soll wieder deutsch gesprochen werden. Daß man durch die empfohlenen Sparmaßnahmen den eigenen Absatzmarkt trockenlegt, ist nur einer der vielen Widersprüche in diesem neoliberalen Tollhaus. Da verwundert es nicht, daß sich die europäischen Massen auf nationale Eigenständigkeit besinnen. »Ich bin stolz darauf, Europäer zu sein!« – wer könnte diesen Satz unbefangen aussprechen? Die europäische Misere läßt den Nationalstaat als bewährte Alternative erscheinen, immer mehr Europäer stimmen für nationalistische Parteien, die all das versprechen, was abhanden gekommen scheint: Vertrautheit, Identität, Solidarität, Sicherheit. Es ist das latente Gefühl der Heimatlosigkeit, der Anonymität, des Ausgeliefertseins an einen Superstaat, in dem unfaßbare Lobbyisten, Kommissare und Bürokraten das Sagen haben. Die belgische Hauptstadt ist zu einem Schimpfwort geworden.