Internationale Zusammenarbeitsformen von Zoll, Polizeien und Geheimdiensten finden hĂ€ufig in Arbeitsgruppen statt, die parlamentarisch schwer zu kontrollieren sind. Vielfach wird auf informelle Strukturen zurĂŒckgegriffen, selbst wenn deren TĂ€tigkeitsfelder mittlerweile von EU-Agenturen ĂŒbernommen werden (Drucksache 17/14474). Allein der Ratsarbeitsgruppe Strafverfolgung unterstehen nach Kenntnis der Fragesteller/innen 18 Unterarbeitsgruppen (Ratsdokument 17559/11): EU contact points for tackling cross-border vehicle crime, Experts for major sports events, European Network of Protection of Public Figures (ENPPF), Radio communications experts, European Network of Law Enforcement Technology Services (ENLETS), Liaison Officers‘ (LOs) Management Services, European Network an Fugitive Active Search Teams (ENFAST), European Firearms Experts (EFE), EnviCrimeNet, Network of police dog professionals in Europe (KYNOPOL), European medical and psychological experts‘ network for law enforcement (EMPEN), eMOBIDIG, EU-CULTNET sowie die polizeilichen Netzwerke AQUAPOL (Schifffahrt), TISPOL (Verkehr), RAILS (Schienentransporte), AIRPOL (FlughĂ€fen) und ATLAS (Spezialeinheiten).
Seit einigen Jahren haben sich innerhalb der EU âgemeinsame Polizeioperationen“ (âJoint police operatio ‚ns“, JPO), âGemeinsame Zolloperationen“ (âJoint customs operations“ JCO) sowie âJoint customs police operations“ (JCPO) etabliert (Bundestagsdrucksache 17/6856). Sie werden unter Beteiligung bzw. Verantwortung der Netzwerke TISPOL, AQUAPOL, RAILPOL, AIRPOL durchgefĂŒhrt. Im Bezug auf die internationale Zusammenarbeit erhĂ€lt die EU-Polizeiagentur weitere Kompetenzen. Arbeitsabkommen und andere Kooperationen werden auch mit âDrittstaaten verhandelt. Die Anstrengungen richten sich auch gegen grenzĂŒberschreitende linke Protestformen (Bundestagsdrucksache 17/9756).
Zu sogenanntem âEuroanarchismus“ betreibt das BKA einen âInformationsaustausch“ mit Behörden Frankreichs, GroĂbritanniens, Italiens, Griechenlands und der Schweiz. Entsprechende Erkenntnisse werden regelmĂ€Ăig in der Ratsarbeitsgruppe Terrorismus diskutiert und in der Analysearbeitsdatei âDolphin“ gespeichert. Seit 2007 bemĂŒht sich die Bundesregierung nach KrĂ€ften, linke Demonstranten in einer politische Datensammlung zu âreisenden GewalttĂ€tern“ auf EU-Ebene zu speichern und hierfĂŒr den Begriff âreisender GewalttĂ€ter‘ zu etablieren (Bundestagsdrucksache 17/7018).
Zwar arbeitet das BKA adch im EU-Projekt âExpert Meeting Against Right Wing Extremism“ (EMRE) mit, an dem auch Ăsterreich, Schweden und die Schweiz teilnehmen. Die internationale Zusammenarbeit gegen Rechtsextremismus ist indes schwach ausgeprĂ€gt. Das EMRE befasst sich im Projekt âKonfrontation: Rechts-/Links-Auseinandersetzung“ ĂŒberdies mit linken und antifaschistischen Reaktionen auf rechte Gewalt.
Bekanntlich befassen sich auch die âEuropean Cooperation Group on Undercover Activities (ECG)“ und die âInternational Working Group on Undercover Policing (IWG)“, in denen sich die FĂŒhrer verdeckter Ermittler/innen organisieren, mit der Infiltration internationaler linker ZusammenhĂ€nge (Bundestagsdrucksache 17/9844). Eine âCross-Border Surveillance Working Group“
(CSW) vernetzt Mobile Einsatzkommandos aus 12 EU-Mitgliedstaaten sowie die EUPolizeiagentur Europol zu grenzĂŒberschreitenden Observationstechniken (Bundestagsdrucksache 17/5677). Mit Ă€hnlichem Ziel treffen sich Angehörige von Polizeien mehrerer EU-Regierungen im Projekt âInternational Specialist Law Enforcement“ (ISLE). Im 2009 begonnenen Vorhabens wird der Austausch und die Vermittlung ‚ von Kenntnissen zum heimlichen Eindringen in RĂ€ume, Fahrzeuge und elektronische GerĂ€te vorangetrieben (Bundestagsdrucksache 17/10713).
Das Bundeskriminalamt nimmt immer noch an der âPolice Working Group on Terrorism“ (PWGT) teil, die 1979 zum âInformationsaustausch bei terroristischen AnschlĂ€gen“ gegrĂŒndet wurde, seit 2000 aber auch helfen soll, âpolitische gewalttĂ€tige AktivitĂ€ten“ zu verhindern (Bundestagsdrucksache 17/13440).
Zur Wirtschaftsförderung deutscher Trojaner-Software im Ausland richtete das BKA eine âRemote Forensic Software User Group“ ein, die zuvor als âDigiTask User Group“ firmierte (Bundestagsdrucksache 17/8958). Seit 1992 ist die Bundesregierung Mitglied des âEuropĂ€ischen Institut fĂŒr
Telekommunikationsnormen“ (ETSI), das unter anderem weltweit gĂŒltige Standards zur Ăberwachung von Telekommunikation („Lawful Interception“) entwickelt (Bundestagsdrucksache 17/11239).