15.03.2014 - 11:53 [ jungeforschung.de ]

Robert Musil: Europäertum, Krieg, Deutschtum.

Aussagen wie „Wir im Herzen Europas und mit dem Herzen Europas“ verweisen in „Europäertum, Krieg, Deutschtum“ auf die Vorstellung einer kulturellen Überlegenheit (vgl. z.B. Borchardt), aus welcher sich laut Musil als elementare Leistung jedes Einzelnen die Aufgabe, „den Stamm zu schützen“, ableitet. Der Krieg führt somit im Sinne des Autors in eine Form des pseudoreligiösen Zusammenlebens: Das Verhältnis zu Leben und Tod wird im Krieg (= Zustand der „Urmacht“) neu bestimmt. „Man lebt wieder für das Leben, der Tod hat keine Schrecken mehr“. Diese Mythisierung der Kriegserlebnisse steht (besonders im zweiten Teil) im Mittelpunkt von Musils Essay.