28.04.2015 - 02:24 [ Kriminalpolizei ]

Ist die Deutsche Bank eine kriminelle Vereinigung?

Zwei HĂ€ndlerringe und insgesamt acht Banken hatten sich ĂŒber mehrere Jahre mit verschwörerischen Mitteln und in Bereicherungsabsicht abgesprochen. Zwei Banken blieben verschont, weil sie sich als Kronzeugen zur VerfĂŒgung gestellt hatten. Die Kartellabsprachen gelten als „schockierend“.(…)
Alleine die SchadenstrĂ€chtigkeit der Rechtsverletzungen in diesem Bereich dĂŒrfte die Gewinne aller Mafia-Organisationen in den meisten LĂ€ndern dieser Erde ĂŒbertreffen. (…)
Die Tatsache, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, seinerzeit den ebenfalls ehemaligen Geheimdienstkoordinator und wiederum ehemaligen PrĂ€sidenten des Bundesnachrichtenddienstes, Ernst Uhrlau, der ĂŒber keine bankenspezifische Berufserfahrung verfĂŒgt, mit Zustimmung des Bundeskanzleramts anheuerte, damit er die Deutsche Bank angeblich bei der Beurteilung weltweiter Risiken unterstĂŒtzen möge, scheint an den Usancen des Hauses wenig geĂ€ndert zu haben.(…)
Diese VorgĂ€nge könnten grĂ¶ĂŸere Ausmaße annehmen, als der Libor-Komplex. Das DevisengeschĂ€ft hat ein immenses Volumen. TĂ€glich werden mehr als 5,3 Billionen (!) Dollar gehandelt. Dabei gibt es einen hohen Konzentrationsgrad. Die fĂŒnf grĂ¶ĂŸten Banken teilen sich mehr als die HĂ€lfte des Gesamtmarktes. Die Deutsche Bank hat global den grĂ¶ĂŸten Marktanteil. Diese Lage erleichtert Absprachen. Zentrale HĂ€ndler in verschiedenen Großbanken könnten sich, kurz bevor wichtige Referenzkurse erhoben wurden, gegenseitig ĂŒber ihre Auftragslage ausgetauscht haben.(…)
Alleine die GeschĂ€ftspraxis der Deutschen Bank ist jedenfalls Anlass genug, daran zu erinnern, dass es in Deutschland im Widerspruch zu zahlreichen europarechtlichen Vorgaben und anders als in den meisten europĂ€ischen und außereuropĂ€ischen NachbarlĂ€ndern, immer noch kein echtes Unternehmensstrafrecht gibt.13 Deshalb kann man gegen die Deutsche Bank und andere juristische Personen hier allenfalls nach den Maßgaben des Ordnungswidrigkeitenrechts vorgehen. Das ist nur dann ertrĂ€glich, wenn man glaubt, dass ein Mafioso nachhaltig zur Rechtstreue angehalten wird, weil er jeweils pĂŒnktlich sein Verwarnungsgeld zahlt, sollte er einmal falsch geparkt haben.(…)
Es ist aber außerhalb einer paranoiden Verschwörung gleichgerichteter Interessen in Wirtschaft und Politik nicht mehr erfolgreich zu leugnen, dass sich in großen Teilen des Finanzwesens eine organisierte Verantwortungslosigkeit verbreitet hat. Sie wird sich auf einem von politischen Fehlentscheidungen (z. B. Deregulierung der FinanzmĂ€rkte) bereiteten Boden in gemeinwohlschĂ€dlicher Weise noch weiter verbreiten. Dennoch sollte man sich keinen Illusionen hingeben und etwa erwarten, dass eine wie auch immer zusammengesetzte Bundesregierung die Deutsche Bank mit der gebotenen HĂ€rte in ihre Grenzen verweist. Es wird nur allzu leicht vergessen, dass die deutsche Politik Hand- und Spanndienste leistete, als die FĂŒhrung dieses Geldhauses mit dem Kauf der britischen Investmentfirma Morgan Grenfell sich in die SĂ€ttel der internationalen Hochfinanz schwang, um ĂŒber die KapitalmĂ€rkte dieser Welt zu galoppieren.(..)
Es sind nicht nur die unbeaufsichtigten eleganten Zocker in den weltweit dislozierten HandelsrĂ€umen der Finanzzentren, die ihre primitiv-kriminellen Mitbewerber in schmierigen WettbĂŒros bei der Jagd auf die Margen weit hinter sich gelassen haben. Es gibt „Zweckgemeinschaften“, die sich mit krimineller Energie, ĂŒberlegenem Sachverstand und asozialer Gesinnung zu einem Angriff auf ein ganzes Wirtschaftssystem zusammengeschlossen haben.(…)
Die von Politikern eingeleitete und von Bankern ins Werk gesetzte Degenerierung eines Wirtschaftssystems, das auf der Basis des Privateigentums an den Produktionsmitteln und ĂŒber die Steuerung von Produktion und Konsum ĂŒber den Preis lange Jahre erfolgreich war, ist indessen ein friedensgefĂ€hrdender Prozess geworden.(…)
Die Gefahren brauen sich in BanktĂŒrmen aus Stahl und Glas zusammen.(…)
Man erkennt, dass Banken die Weltwirtschaft in den Abgrund gefĂŒhrt und unglaubliche Verluste auf den Steuerzahler abgewĂ€lzt haben. Eine Sozialisierung ihrer Billionenverluste hat die Staatsschulden in die Höhe und ganze LĂ€nder in den Bankrott getrieben. Banken haben zudem den wichtigsten Zins der Welt sowie den Goldpreis und Devisenkurse manipuliert.(…)
Es geht nicht um „Kumpanei“, sondern um „Komplizenschaft“. Bei einer strafrechtlichen WĂŒrdigung mĂŒsste man eher von einer „MittĂ€terschaft“ zwischen etlichen Finanzmanagern und manchen Politikern ausgehen. (…)
Das alles erinnert in der Tat an die Firma Siemens, die sich nach jahrzehntelanger korrupter GeschĂ€ftspraxis völlig ĂŒberraschend von einer Welt von Feinden in Gestalt von Medien und StaatsanwĂ€lten umzingelt sah.(…)
VI. Schlussthesen
4. Die jahrelange Serie massiver VerstĂ¶ĂŸe gegen wichtige Vorschriften in zahlreichen großen Geldinstituten ĂŒberall auf der Welt zeigt, dass mitten in der bĂŒrgerlichen Gesellschaft der Rechtsbruch zu einem kommerziellen Prinzip geworden ist.
5. Die Politik hat sich mit ihrer Duldsamkeit entweder vorsÀtzlich oder aufgrund von Kompetenzmangel objektiv der Beihilfe beim Aufbau eines Milieus schuldig gemacht, das durch systematischen Betrug und durch organisierte Untreue geprÀgt ist.
8. Wie die Gesetzgebungsgeschichte im Bereich der Finanzmarktregulierung zeigt, ist die Politik noch nicht einmal mehr in der Lage, ordnungspolitische Vorstellungen durch geeignete GesetzesentwĂŒrfe umzusetzen, weil sie es versĂ€umt hat, den erforderlichen Sachverstand in den zustĂ€ndigen Ministerien vorzuhalten.
9. Der Gesetzgeber ist bei dem Versuch einer sozialvertrÀglichen Regulierung des Finanzmarktgeschehens auf die Mitwirkung einer wuchernden Beratungsindustrie angewiesen, die gleichzeitig die Profiteure der intendierten Gesetzgebung betreut, so dass objektive Interessenkonflikte nicht verhindert, sondern von der Legislative sogar integriert und kultiviert werden.