01.03.2015 - 03:54 [ Heise ]

Führungsanspruch als Zitat/Christoph Marischka

Aber es soll verändert werden und deshalb soll der „öffentliche Diskussionsprozess“ auch nach dem Ende des Projekts fortgeführt werden. Als besonders wichtige Zielgruppe wurden dabei die „jungen Deutschen“ ausgemacht, bei denen „Überzeugungsarbeit besonders gefragt“ sei. Denn diese seien einerseits „eher weniger interessiert … an außenpolitischen Themen als der Durchschnitt der Bevölkerung aber eher bereit, … sich international zu engagieren. Das war die einzige Altersgruppe, die gesagt hat: Im schlimmsten Fall muss Deutschland etwa bei Völkermord auch eingreifen ohne eine Resolution der Vereinten Nationen.“

Diese Schlussfolgerung macht eigentlich nur Sinn, wenn man unterstellt, dass der Dialogprozess genau darauf abzielt, diejenigen einzubinden, die sich zwar wenig für Außenpolitik interessieren, dem deutschen Führungsanspruch aber gleichgültig bis zustimmend gegenüberstehen. Demgegenüber bleiben diejenigen, die sich für Außenpolitik interessieren und (womöglich deshalb?) ein verstärktes deutsches Engagement kritisch sehen, außen vor und werden im inszenierten öffentlichen Austausch marginalisiert. Falls das die Schlussfolgerung des Projekts ist, dann hat sie Remme für den Deutschlandfunk treffsicher umgesetzt, indem er die Demonstrierenden gegen die Sicherheitskonferenz als „ewig Gestrige“ darstellen lässt und dafür außer den außenpolitischen Eliten nur dümmliche Fragen im Facbook-Talk in die Berichterstattung über den vermeintlichen öffentlichen Austausch einfließen lässt.