(4. August 2012) Sichtbar wird das große Bild, wenn man in der Geschichte zurückgeht, jedoch ohne dort zu verharren, sondern wieder auf den Erdboden der Tatsachen des Jahres 2012 zurückkehrt.
Schauen wir dem Kapitalismus mit menschlichem Antlitz doch mal ins Auge.
Realistisch betrachtet hat der Kapitalismus nach dem Fall des einen geostrategischen Konkurrenten, der Sowjetunion und ihres Einflussbereichs, seit 1990/91 über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten seine bisher extremste Form entwickelt: den Euro-Kapitalismus. Dieser strebt nicht mehr die – durch die Alternative eines Konkurrenzsystems erforderliche – gebremste Ausbeutung des Menschen durch den Menschen an, sondern vielmehr dessen uneingeschränkte. Sogar die Staaten selbst, vom Kapital früher noch als zweckdienliche Mechanismen erachtet, sind dem System der Euro-Währung erklärtermaßen im Weg (“Der Euro ist Europa”). Das Euro-System repräsentiert den in dieser Form historisch einmaligen Feldversuch einer winzigen internationalen Geldelite und ihrer sie bedienenden Kräfte, alle Hemmungen, Hindernisse und Schutzmauern zwischen den Kapitalinteressen und den Menschen aus dem Weg zu räumen: parlamentarische Demokratie, Gewaltenteilung, Rechtssysteme, Verfassungen, schließlich die Staaten selbst.
Die geforderte “Abgabe”, die Aufgabe der eigenen Souveränität, die Erzwingung einer “politischer Union” von Staaten, mit dem erklärten Ziel das Währungssystem zu “retten” was sie dazu zwingen soll, das ist der epische, historische Nullpunkt aller darin verwickelten Akteure und Parteien.
Das gilt nicht für die Ideen, die sie dafür “alternativlos” in Besitzstands-Haftung nahmen und benutzten.
Wie alle anderen über die Länder des 1992 geschaffenen Staatenbundes “Europäische Union” verstreuten Parteien, die sich bereits paneuropäischen Zentralparteien und deren Agenden untergeordnet haben, hat auch die 2004 geschaffene Zentralpartei “Europäische Linke” (EL) mitsamt ihrer angeschlossenen Ableger diese bislang extremste Version des Kapitalismus, den Euro-Kapitalismus und sein Zentralbank- und Finanzsystem, zu keinem Zeitpunkt fundamental in Frage gestellt. Im Gegenteil: alle EL-Parteien in allen EU-Mitgliedsstaaten, insbesondere “Die Linke” in Deutschland, haben ausnahmslos immer wieder betont, daß sie “für den Euro”, für die unbedingte Aufrechterhaltung des Euro-Systems sind – ohne Einschränkung, ohne Limit, ohne Grenze des Erträglichen.
Damit deckt sich die Haltung von “Die Linke” in Deutschland, wie die der Zentralpartei EL, fundamental mit der Position des Finanzdiktators EZB, der Kanzlerin Merkel, des französischen Präsidenten, der EU-Kommissare und der an einer Fortsetzung des Plünderungsfeldzugs auf dem Kontinent massiv interessierten Geldmärkte und Banken.
Diese “Linke” bietet somit keine Alternative zum Euro-Kapitalismus. Sie ist dessen Teil.