Als Paradebeispiel der deutsch-polnischen Militärkooperation gilt in Armeekreisen das „Multinationale Korps Nordost“ (MNK NO) mit Sitz im polnischen Szczecin; der Inspekteur des deutschen Heeres, Bruno Kasdorf, nannte es unlängst „unser großes gemeinsames Projekt“.[9] Die 1999 auf Betreiben Deutschlands, Polens und Dänemarks ins Leben gerufene Einheit ist fester Bestandteil der NATO-Kommandostruktur in Europa und laut Bundeswehr befähigt zur „Führung von multinationalen Großverbänden“. Wie die Truppe erklärt, kommt dem MNK NO eine „Schlüsselrolle bei der Integration neuer Mitglieder im Rahmen der NATO-Osterweiterung“ zu.[10] Mitglieder des Korps, das abwechselnd von einem deutschen und einem polnischen General befehligt wird, waren mehrfach in Afghanistan eingesetzt. Deutschland stellt nach Polen die meisten Angehörigen der Einheit und verfügt dank dieser über einen militärischen Stützpunkt auf polnischem Boden: Auf dem Gelände des Hauptquartiers des MNK NO unterhält die Bundeswehr eine sogenannte Verwaltungsstelle, die einer Selbstdarstellung zufolge für die „Betreuung aller deutschen Soldaten, zivilen Beschäftigten und deren Angehörigen in Polen“ zuständig ist – „Übungsvorhaben in Polen unter Beteiligung deutscher Soldaten“ eingeschlossen.[11]
Das „Eurokorps“
Für 2016 ist zudem die Aufnahme Polens in das im französischen Strasbourg stationierte „Eurokorps“ vorgesehen. Die aus Deutschen, Franzosen, Spaniern und Belgiern bestehende Einheit wurde Anfang der 1990er Jahre als militärisches Hauptquartier der EU konzipiert und übernahm im Rahmen mehrerer Interventionskriege entsprechende Führungsaufgaben – etwa in der serbischen Provinz Kosovo und in Afghanistan. Im Bedarfsfall kann das „Eurokorps“, das turnusmäßig Personal für die Schnelle Eingreiftruppe der NATO stellt, über Kampftruppen mit einer Gesamtstärke von bis zu 60.000 Soldaten verfügen. Wie die Bundeswehr erklärt, bilde es daher die „Grundlage für eine effiziente Europa-Armee mit einer autonomen Führung“.[