31.05.2016 - 11:36 [ German Foreign Policy ]

Der deutsche Beitrag zum Genozid

Tatsächlich waren deutsche Offiziere zumindest punktuell sogar selbst in den Genozid an den Armeniern involviert. Der Generalstab des osmanischen Heeres, der von Bronsart von Schellendorf geleitet wurde, erstellte die Vorlage fĂĽr das am 27. Mai 1915 verabschiedete Deportationsgesetz, das die Verschleppung der gesamten armenischsprachigen Bevölkerung in die syrische WĂĽste vorsah. Manche Historiker sind der Auffassung, Bronsart von Schellendorf sei sogar der „organisatorische Kopf hinter den Deportationen“ gewesen. Deutsche Militärs trugen nicht nur dazu bei, armenische Widerstandshandlungen mit Waffengewalt niederzuschlagen. Zumindest einer von ihnen, Oberleutnant Karl Anton Böttrich, der Leiter der Eisenbahn- und Transportdivision im osmanischen Generalstab, hat eigenhändig einen Deportationsbefehl unterzeichnet, nämlich denjenigen gegen die armenischen Arbeiter, die beim Bau der Bagdadbahn beschäftigt waren. Franz GĂĽnther, Vizepräsident der Anatolischen Eisenbahn, urteilte erschĂĽttert: „Man muss in der Geschichte der Menschheit weit zurĂĽckgehen, um etwas Ă„hnliches an bestialischer Grausamkeit zu finden wie die Ausrottung der Armenier in der heutigen TĂĽrkei“.