02.09.2013 - 02:44 [ NZZ ]

Der ausserirdische Leser – Die Literatur zieht es ins Weltall

Das Gerücht von der allverbindenden Kraft der Literatur hält sich dann auch im Weiteren, 1758 greift es Swedenborg in seiner Schrift «Über die Erdkörper im Weltall» auf. Swedenborgs erweckte Seele schaltet sich dort in ein kosmisches Kommunikationsnetzwerk ein und bringt auf diesem Wege einiges über die Mentalitäten, Lebensweisen und vor allem über die medialen Verhältnisse auf anderen Planeten in Erfahrung. Während die Merkurier nur telepathisch und die Jupiterbewohner primär über Gesichtsausdrücke kommunizieren, sind ausschliesslich die rückständigen Menschen noch an das geschriebene Wort gebunden. Nur auf der Erde hat sich eine «Schreibekunst» entwickelt, die im konkreten Fall für die Merkurgeister einen Fetischcharakter annimmt. Voller Begeisterung für das exotische Objekt senden sie Swedenborg einen umständlich zusammengeleimten und wild mit Buchstaben bedruckten Bogen Papier zu, der sie jedoch darüber belehren muss, dass sie die eigentliche Funktion der Bücher nicht verstanden hätten.