Leider macht Gaucks Sarrazin-Lob keine großen Hoffnungen darauf, er würde das einzige würdige Erbe Christian Wulffs fortführen. Schön wäre es, wenn er seine damalige Äußerung klarstellen könnte.
Alles durch die DDR-Brille
Bei dieser Gelegenheit könnte Joachim Gauck auch gleich erläutern, weshalb genau er die Kapitalismuskritik der Occupy-Bewegung für „unsäglich albern“ hält, wie er es Mitte Oktober 2011 auf einer Veranstaltung der „Zeit“ äußerte. Der Traum von einer Welt, in der man sich der Bindung von Märkten entledigen könne, sei eine romantische Vorstellung, sagte Gauck – und die Proteste würden „schnell verebben“. Da wüsste man schon gerne, warum. Gauck erklärte zwar: „Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren.“ Doch dieser Satz kann kaum als ernsthafte Auseinandersetzung mit der Kritik an unverantwortlich handelnden Banken bezeichnet werden.