Beim Linksliberalismus werden also Gegensätze kombiniert, die sich gegenseitig die Glaubwürdigkeit rauben. Man könnte auch sagen, dass es sich um einen Kunstgriff handelt, um den Kapitalismus schöner zu machen, als er eigentlich ist. Die soziale Marktwirtschaft aus den Fünfzigern und Sechziger Jahren unserer Republik, sieht ganz danach aus. Auch sie ist eher ein Konkurrenzprodukt, das mit dem Untergang der sozialistischen Welt überflüssig geworden ist und deshalb heute auch nicht mehr richtig gepflegt wird. Soziale Marktwirtschaft ist heute eher der Name für ein politisches Institut, das für das Gegenteil, nämlich den ungeschminkten Kapitalismus wirbt. Gemeint ist das Institut für Neue Soziale Marktwirtschaft.
Wenn man heute also fragt, wo der Platz des Linksliberalismus ist, findet man diesen Ort zwar noch irgendwo zwischen den Blasen einer Sinus-Milieu-Studie, aber nicht mehr in einer politischen Partei oder sonstigen politischen Institutionen. Er bildet sich am ehesten in der doppelten Denkweise der politischen Korrektheit ab, die vorschreibt, was man zu denken hat, während man etwas ganz anderes tut, aber nicht mehr in der Realität politischen Handelns.(…)
Wenn man ehrlich ist, dann ist Linksliberalismus eigentlich kein Denken der Zukunft, sondern eher der Vergangenheit. Er wurde gebraucht, um den Kapitalismus mental konkurrenzfähig gegen den Kommunismus abzugrenzen. Das Ende der sozialistischen Welt war dann wohl auch das Ende des Linksliberalismus in seiner politisch wirksamen Form.