Dann kam der erste und einzige Kongress aller Arbeiter- und Soldatenräte („Reichsrätekongress“) , der vom 16. bis 21. Dezember 1918 im Gebäude des preußischen Abgeordnetenhauses in Berlin tagte. Dieser machte den entsetzlichsten Fehler der deutschen Geschichte, der die spätere Transformation Deutschlands zu einer noch viel tödlicheren Diktatur als der des Kaiserreiches erst ermöglichen sollte.
Die Arbeiter- und Soldaten-Räte Deutschlands beschlossen, die Macht bedingungslos an eine Nationalversammlung abzugeben, die aus den bürgerlichen Parteien und Delegierten des alten Kaiserreiches gewählt werden sollte. Die gewählten Räte gaben also nach der Revolution freiwillig die Macht in die Hände der alten Parteien des Kaiserreiches zurück. Dabei machte sich der Rätekongress allen Ernstes die Illusion, die Nationalversammlung werde die Verfassung einer sozialistischen Republik beschliessen. Dazu ein Zitat Richard Müllers (USPD):
„Ich habe vorher meine Erwartungen nicht allzu hoch gestellt, aber daß dieser Kongreß zu einem politischen Selbstmörderklub werden würde, das habe ich nicht geglaubt.“
Die Arbeiter- und Soldatenräte folgten dabei dem SPD-Vorsitzenden und Vorsitzenden des „Rates der Volksbeauftragten“ Friedrich Ebert. Ebert hatte noch am Tag der Ausrufung der Republik am 9. November vom Kaiserreich das Kanzleramt übertragen bekommen und einen Tag später einen Geheimpakt mit der Obersten Heeresleitung des kaiserlichen Militärs unter Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg geschlossen. Später sollte Ebert genau einer von zwei mit quasi-monarchischen Vollmachten ausgestatteten Reichspräsidenten der Weimarer Republik werden. Eberts Nachfolger wurde 1925 Hindenburg, der am 30.Januar 1933 einen ehemaligen Agenten seines Militärs namens Adolf Hitler zu seinem Kanzler ernannte.
Mit dem politischen Selbstmord der Räte war es nicht getan. Kurz danach nach diesem Beschluß des Rätekongresses vom 21.Dezember 1918 begannen bereits die ersten Massaker an Arbeitern und Soldaten. Ausgeführt wurden sie von Milizen („Freikorps“) aus monarchistischen Soldaten, die von Ebert und seinem Militär-„Volksbeauftragten“ Gustav Noske kontrolliert wurden. Am 15.Januar entführten und ermordeten diese Milizen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die nach dem Beschluss des Rätekongresses enttäuscht am 1.Januar 1919 die „Kommunistische Partei Deutschlands“ (KPD) mitbegründet hatten.
Rosa Luxemburg hatte übrigens wie viele andere für den Namen „Sozialistische Partei Deutschlands“ plädiert, sowie für die Teilnahme an den Wahlen vom 19.Januar zu jener verhängnisvollen Weimarer Nationalversammlung, die im Februar 1919 das Deutsche Reich fortbestehen ließ, eine quasi-monarchische Präsidialdemokratie schuf und als ersten Reichspräsidenten ausgerechnet Friedrich Ebert wählte.