05.06.2018 - 00:36 [ German Foreign Policy ]

Rezension: Glenn Jäger: In den Sand gesetzt

Auch deutsche Politiker, darunter unter anderem Bundespräsident Christian Wulff, gaben sich in jener Zeit in Qatar fast die Klinke in die Hand. Qatar hatte – ganz unabhängig von der Fußball-WM – begonnen, Wirtschaft und Infrastruktur systematisch auszubauen, um perspetivisch seiner völlig einseitigen Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas zu entkommen. Dazu diente, wie Jäger es schildert, unter anderem ein Großprogramm mit dem Titel „Qatar National Vision 2030“, das wiederum bei deutschen Unternehmen Interesse an teils milliardenschweren Aufträgen weckte. Konnte da nicht die Fußball-WM dem Emirat weitere Anreize und interessierten Firmen zusätzliche attraktive Aufträge bieten? Wie auch immer – die Pläne, mit denen Qatar sich erfolgreich um die WM-Vergabe bewarb, wurden in Frankfurt am Main entwickelt, vom Architektur- und Planungsbüro AS+P (Albert Speer und Partner), das wiederum neben deutschen Baukonzernen nach erfolgreicher Bewerbung von den nun anfallenden lukrativen Bauaufträgen profitierte. Die Frage, wer wem zu einer Fußball-WM verhilft, kann weitreichende Konsequenzen haben.