14.10.2017 - 00:21 [ Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ]

Oxytocin und Normen schwächen Fremdenfeindlichkeit

(14.08.2017) Unter der Leitung des Psychiaters testete ein Team von Wissenschaftlern der Universität Bonn, des Laureate Institute for Brain Research in Tulsa (USA) und der Universität Lübeck insgesamt 183 Probanden. Dabei handelte es sich durchweg um Studierende aus Deutschland. Im Laboratorium für Experimentelle Wirtschaftsforschung (BonnEconLab) der Universität Bonn absolvierten sie eine Spendenaufgabe am Computer. Darin wurden die konkreten Spendenanliegen – zum Beispiel Kleidung – von 50 hilfsbedürftigen Menschen vorgestellt, von denen 25 aus Deutschland kamen; 25 weitere waren Flüchtlinge.(…)
Bei einem Durchgang mit über 100 Probanden wurde zunächst mit einem Fragebogen die persönliche Einstellung gegenüber Flüchtlingen abgefragt. Dann erhielt die eine Hälfte das Bindungshormon Oxytocin über ein Nasenspray verabreicht, die andere Hälfte bekam lediglich ein Scheinmedikament und diente als Vergleichsgruppe.(…)
„Offensichtlich verstärkt Oxytocin die Großzügigkeit gegenüber Bedürftigen; fehlt diese altruistische Grundhaltung, vermag die Gabe des Hormons sie nicht von allein zu erzeugen“, sagt Hurlemann.(…)
Deshalb präsentierten sie den Probanden in einem dritten Durchgang zu jedem Fallbeispiel das durchschnittliche Spendenergebnis ihrer Vorgänger im ersten Experiment. Wieder wurde der Hälfte der Probanden Oxytocin verabreicht. Das Ergebnis war erstaunlich. „Jetzt spendeten auch Personen mit einer an sich negativen Grundeinstellung bis zu 74 Prozent mehr für Flüchtlinge als in der vorangegangenen Runde. Die Spenden für Einheimische nahmen hingegen nicht zu“, berichtet Nina Marsh.