07.04.2013 - 16:19 [ KUNO ]

Literatur der Arbeitswelt

Einen ersten wesentlichen Akzent setzt Walter Grünzweig, Professor für Amerikanistik und Prorektor der TU Dortmund, mit seinem Appell an die jungen deutschen Schriftsteller, „die alte, egozentrische Denkungsart unserer ausbeuterischen Welt aufzugeben. Wer sich damit begnügt, bestimmte Kreise und Klassen zu unterhalten, verdammt sich selbst zu Beschränktheit, Unfruchtbarkeit und Untergang. Die Künstler, die heute unseren Luxusklassen dienen, erscheinen mir wie Affen in einem Käfig,, die nichts anderes zu tun haben, als sich gegenseitig nach Läusen abzusuchen …“ (S. 20).
(…)Schreibarbeiten an den Rändern der Literatur? Angesichts der sich gegenwärtig verschärfenden sozialen Konflikte, des steigenden Arbeitstempos und der sich häufenden Erschöpfungssyndrome als Auswirkung der unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den turbokapitalistischen Produktions- und Verwaltungsstätten rücken manche Beschreibungsfelder in den Texten der Gruppe 61 wieder in unser kritisch geschultes Bewusstsein. Sie bewegen sich in Richtung der Zentren unserer brüchigen postmodernen, entfremdeten Welt und fordern damit einen neuen Rezeptionsschub einer bei weitem nicht randständigen Literatur heraus.