Unter den Korruptionsfällen deutscher Unternehmen in Griechenland ist derjenige des Siemens-Konzerns wohl der größte. Aufgedeckt wurden Bestechungszahlungen seit Ende der 1990er Jahre, mit denen Siemens sich lukrative Aufträge unter anderem zur Digitalisierung des griechischen Telefonnetzes und beim Aufbau eines Ăśberwachungssystems fĂĽr die Olympischen Spiele 2004 in Athen sichern konnte. Letzterer sollte den Test einer neuen „Anti-Terror“-Technologie ermöglichen, die zwar nicht rechtzeitig in Betrieb genommen werden konnte, aber dennoch ansehnliche Summen in die Konzernkassen spĂĽlte.[2] Die Telekommunikations-Aufträge seien besonders attraktiv gewesen, weil Griechenland auf eine sonst ĂĽbliche Neuverhandlung der Preise verzichtet habe, obwohl diese sich in der Branche alle drei bis vier Jahre halbiert hätten, konstatieren Experten; die Telefongesellschaft OTE habe deshalb Schäden in Höhe von 57,4 Millionen Euro erlitten. Letztlich hat, wie in anderen derartigen Fällen, die griechische Bevölkerung die Bestechungsgelder gezahlt. „Wer bei einem staatlichen Auftrag schmiert, kann auf seine Marge noch mal ein paar Millionen oben draufschlagen“, erläuterte ein Fahnder einst das Vorgehen: „Die ĂĽberhöhten Preise gehen ja zu Lasten der Steuerzahler“. Den Schaden, den Siemens der griechischen Ă–ffentlichkeit damit zugefĂĽgt hat, bezifferte ein gut 2.000 Seiten starker Bericht, den ein Untersuchungsausschuss des griechischen Parlaments im Herbst 2010 verfasste, auf rund zwei Milliarden Euro.