09.11.2015 - 01:37 [ Dr. Christian Wipperfürth ]

Kirgisistan. Eindrücke aus Zentralasien

(26.Oktober) Es gibt keine Elendssiedlungen, keine zerlumpten Obdachlosen, keine Bettler. Die Erklärung dieses Phänomens: In Kirgisistan, wie wohl auch den anderen Ländern Zentralasiens funktionieren die Großfamilien. Sie bieten Halt bei Krankheit und Alter – der Staat ist hierzu nicht in der Lage. Und die Sippe fordert hierfür natürlich Loyalität und Einordnung, anders könnte das System nicht funktionieren. Nicht die Interessen des Individuums stehen im Vordergrund, sondern diejenigen der Großfamilie. Das heißt auch: Der Einzelne kann sich auf die Sippe verlassen. Und sie sich auf ihn, z.B. wenn er Karriere machen sollte, dann kümmert er sich um die Seinen. Was uns also als „Vetternwirtschaft“ erscheint ist unentbehrlich, um das gesamte System funktionstüchtig zu halten.