14.07.2015 - 01:27 [ Lower Class Magazine ]

Kapitulation – Widerstand – revolutionärer Bruch │ Die Niederlage nicht verstehen heißt die nächste Niederlage vorbereiten – Griechenland, Deutsch-Europa und die Grexit-Debatte

Die Ordnung Europas nach deutschen Interessen ist ein politisches Projekt, das der deutsche Imperialismus schon seit der Reichseinigung 1871 vorantreibt. Vor Daitz hatten im Ersten Weltkrieg Reichkanzler Theobald von Bethmann-Hollweg und sein Mitarbeiter Kurt Riezler über die „europäische Verbrämung unseres Machtwillens“ sinniert, auch in der Zwischenkriegszeit verstummte die Idee nicht. In einer Kriegszieldenkschrift von 1914 hieß es: Man strebe nach dem Sieg die „Gründung eines mitteleuropäischen Wirtschaftsverbandes durch gemeinsame Zollabmachungen, unter Einschluss von Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark, Österreich-Ungarn, Polen und eventuell Italien, Schweden und Norwegen“ an. Ein solcher Verband – „unter äußerlicher Gleichberechtigung seiner Mitglieder, aber tatsächlich unter deutscher Führung“ – könne dazu beitragen, „die wirtschaftliche Vorherrschaft Deutschlands über Mitteleuropa zu stabilisieren“.