Die Ordnung Europas nach deutschen Interessen ist ein politisches Projekt, das der deutsche Imperialismus schon seit der Reichseinigung 1871 vorantreibt. Vor Daitz hatten im Ersten Weltkrieg Reichkanzler Theobald von Bethmann-Hollweg und sein Mitarbeiter Kurt Riezler über die „europäische Verbrämung unseres Machtwillens“ sinniert, auch in der Zwischenkriegszeit verstummte die Idee nicht. In einer Kriegszieldenkschrift von 1914 hieß es: Man strebe nach dem Sieg die „Gründung eines mitteleuropäischen Wirtschaftsverbandes durch gemeinsame Zollabmachungen, unter Einschluss von Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark, Österreich-Ungarn, Polen und eventuell Italien, Schweden und Norwegen“ an. Ein solcher Verband – „unter äußerlicher Gleichberechtigung seiner Mitglieder, aber tatsächlich unter deutscher Führung“ – könne dazu beitragen, „die wirtschaftliche Vorherrschaft Deutschlands über Mitteleuropa zu stabilisieren“.