12.06.2014 - 21:16 [ German Foreign Policy ]

Fußball in der Wüste (I)

BERLIN/DOHA
(Eigener Bericht) – Aktuelle Vorwürfe in der Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2022 an Qatar werfen erneut Fragen zur etwaigen Einflussnahme Berlins auf die Entscheidung auf. Aktuelle Presseberichte beleuchten die bislang unklare Rolle, die der langjährige deutsche Fußball-Funktionär Franz Beckenbauer in der Affäre spielte. Bereits vor einiger Zeit hat FIFA-Chef Sepp Blatter berichtet, „europäische Länder“ hätten erheblichen Druck ausgeübt, für Qatar zu votieren – dabei habe sich insbesondere Deutschland hervorgetan. Aussagen von Beteiligten legen nahe, dass der damalige Bundespräsident Christian Wulff Einfluss auf die Entscheidung zu nehmen versuchte. Von den Baumaßnahmen, die für die Fußball-WM in Qatar notwendig sind, profitieren zahlreiche deutsche Unternehmen; vergleichbare Aufträge hätten sie kaum erhalten, wäre die WM an die USA vergeben worden, die sich gleichzeitig mit Qatar beworben hatten. Die Entscheidung zugunsten des Emirats erfolgte zudem zu einem Zeitpunkt, da deutsche Konzerne – schwer von der Finanzkrise getroffen – stützende Investitionen und Milliardenaufträge aus Doha empfangen hatten und der dort herrschende Al Thani-Clan auf Gegenleistungen hoffte. Vor der Entscheidung über die WM-Vergabe Ende 2010 hatten sich die Kontakte zwischen Berlin und Doha stark verdichtet.