Wären ihre Worte mit einer für die Öffentlichkeit sichtbaren Einblendung der obigen Abbildung gefallen, jeder hätte sich wohl gefragt: Wo ist denn die Stabilisierung der griechischen Wirtschaft, von der Madame Lagarde spricht?
Antwort: Es gibt sie nicht. Auch genau fünf Jahr nach Beginn der Sanierungsvorgaben der Troika nicht.
Und die Staatsschulden, die mit Hilfe des Troika-Sanierungskonzepts eigentlich hätten sinken sollen, sind weiter gestiegen.
Worum also geht es eigentlich beim Schuldenstreit zwischen der griechischen Regierung und den Gläubigern?
Antwort: Um Gesichtswahrung.
So einfach ist das.
Die Euro-Gruppe und der IWF wollen nicht zugeben müssen, dass ihr Sanierungskonzept nicht aufgegangen ist und auch nicht aufgehen wird, sondern eine durchaus als desaströs zu bezeichnende Abwärtsspirale erzeugt hat. Und die griechische Regierung will, dass sie genau das zugeben und dass das Sanierungskonzept geändert wird. Wie genau der Turnaround in Griechenland geschafft werden kann, dass scheint sie allerdings auch nicht so genau zu wissen. Und insofern geht es beim anberaumten Referendum über den von den Gläubigern geforderten Sanierungskurs auch für Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras letztlich um Gesichtswahrung. Sagt das Volk „Nein“ zu den Forderungen der Gläubiger, dann steht er wenigstens noch politisch gut da. Sagt es „Ja“, dann kann er das als rationale Begründung dafür angeben, den Forderungen doch noch nachzugeben.