(10.3.) Die «Foreigner Band»
Der lokale Widerhall auf Campinos «Lie-bes»-Zurufe fällt schwach aus, nicht nur weil man es nicht versteht, sondern vielleicht auch, weil Yangoner Musiker andere Sehnsüchte und Ideale antreiben. Um das internationale Publikum nicht zu enttäuschen, waren durch die deutsche Botschaft gezielt Bands eingeladen worden, die kein sogenanntes Copy Thachin spielen, keine 1:1 abgekupferten anglo-amerikanischen, thailändischen oder japanischen Pop und Rock Songs, ein in Burma weit verbreitetes Genre, dass dem Ideal musikalischer (insbesondere melodischer) Innovation in der deutschen Popmusik zutiefst widerstrebt. Sideeffect, die kein Copy Thachin spielen, die es «geschafft haben» und schon in Deutschland oder Texas rockten, werden jedoch hier in Yangon als die «Foreigner Band» beargwöhnt, die auf NGO-Weihnachtsfeiern spielen und die einen kanadischen Manager haben. Ihre Musik klingelt in deutschen Ohren und intoniert den westlichen Traum der Rebellion gegen Unterdrückung und militante Bevormundung. Doch die ohrenscheinliche Selbstverständlichkeit, dass Punk-Rock mit politischer Rebellion gleichzusetzen sei, ist in Myanmar nicht unbedingt der (Normal-)Fall. In einer ausführlichen Ethnographie Burma‘s Pop Music Industry beschreibt Heather MacLachlan etwa ein anderes Bild der populären Musikszenen Yangons, die das Narrativ der kulturimperialistischen Punk-Rocker verfehlt. Der musikalische und körperkultische Zeichendschungel der Pop- und Rockstars ist eben nicht international ein-deutig.