Wjatrowitsch hat bereits in der Amtszeit des prowestlichen Präsidenten Wiktor Juschtschenko eine herausragende Rolle in der Kiewer Geschichtspolitik gespielt. Im Jahr 2008 wurde er zum Leiter des ukrainischen Geheimdienstarchivs ernannt, in dem sich eine Vielzahl an Dokumenten über OUN und UPA befinden. Bereits damals hätten er und seine Kollegen gravierende Fälschungen vorgenommen, heißt es nun in der US-Zeitschrift „Foreign Policy“; so hätten sie in ihren Publikationen Wörter, Sätze oder ganze Passagen aus den Quellen ausgelassen, die OUN und UPA belasteten. Neben mehreren weiteren Historikern bestätigt dies Jeffrey Burds, Professor für russische, ukrainische und sowjetische Geschichte an der Bostoner Northeastern University, der die Fälschungen anhand von Kopien der Originale nachweisen kann.[6] „Foreign Policy“ scheibt Wjatrowitsch unter anderem Einfluss auf die Neuerstellung von Geschichtsbüchern für die Schulen in der Ukraine zu, die jüngst in deutschen Fachkreisen eine gewisse Aufmerksamkeit fanden. Einer Analyse zufolge stellen drei Schulbücher, die kurz nach dem Ende von Wjatrowitschs Amtszeit als Leiter des Geheimdienstarchivs (2010) fertiggestellt wurden, die OUN, deren Anführer Stepan Bandera und die UPA positiv „als Kämpfer für die ukrainische Unabhängigkeit“ dar.[7] Als „Feind“ der Ukraine im Zweiten Weltkrieg werde dagegen nicht nur das Deutsche Reich, sondern auch die Sowjetunion bezeichnet. Dies entspricht der Ehrung für die OUN und die UPA, die insbesondere gegen Moskau kämpften.