Zu den jetzt gebotenen Einsichten könnte gehören:
1. Das wochenlange Wegtauchen der „jungen Welt“ als linker Tageszeitung angesichts der offenen Zensurmaßnahme des Berliner Kultursenators Klaus Lederers war und ist blamabel und nicht entschuldbar, schließlich ging es bei der versuchten Versagung des vom Senat geförderten Kinos Babylon um eine – wie oben beschrieben – bundesweite Entwicklung, bei der der Raum für kritische Positionen mit Hilfe administrativer Maßnahmen in Form der Sperrung öffentlich finanzierter Räumlichkeiten immer weiter eingeschränkt wird.
2. Kritik an der zionistischen Politik Israels wird häufig zu Unrecht als antisemitisch diffamiert, vor allem in Deutschland. Das heißt aber nicht, dass es keinen Antisemitismus, selbst einen von einem Juden vertretenen, gibt. Hier trifft die Verantwortlichen für die Veranstaltung im Kino Babylon die Schuld, mit Gilad Atzmon den Falschen eingeladen zu haben.
3. Distanzierungen Ken Jebsens von früheren fahrlässigen und problematischen Äußerungen müssen endlich als das zur Kenntnis genommen werden, was sie sind: Als Distanzierungen. Es ist unredlich, sie ihm dennoch immer und immer wieder vorzuhalten. Das gilt auch für seine schon vor Jahren beendete Zusammenarbeit mit Jürgen Elsässer. Zur Erinnerung: Elsässer war vor gar nicht mal so langer Zeit auch Redakteur der „jungen Welt“, bevor er zum Neuen Deutschland wechselte! Wie würde die jW reagieren, würde man ihr das heute vorwerfen?
4. Ken Jebsen sollte bei all seiner Empörung über „die linken Medien“ nicht länger übersehen, dass es ganz andere Medien und Kräfte gibt, die ungleich einflussreicher als die von ihm vor allem Kritisierten sind, die ihm nicht wohlgesonnen sind. Ein klarerer Blick auf die wirklichen Gegner ist daher geboten.