12.07.2014 - 10:20 [ German Foreign Policy ]

Assoziierung und Spaltung

Nach der Ratifizierung des Assoziierungsabkommens mit der EU schlieĂźen westliche Diplomaten eine „Aufspaltung“ Moldawiens „zwischen Russland und Rumänien“ nicht mehr aus. Bestimmten Szenarien zufolge sei eine solche Aufspaltung sogar „wahrscheinlich“, heiĂźt es in der aktuellen Ausgabe der fĂĽhrenden AuĂźenpolitik-Zeitschrift der Bundesrepublik („Internationale Politik“). Tatsächlich heizt die EU-Assoziierung bestehende gesellschaftliche Differenzen in Moldawien an; Widerstände gegen die Einbeziehung des Landes in die deutsch-europäische Hegemonialsphäre treten offen zutage. Während einerseits Bukarest rund 400.000 BĂĽrgern Moldawiens die rumänische StaatsbĂĽrgerschaft verliehen hat und ein Anschluss des Landes an Rumänien immer wieder als realistische Option bezeichnet worden ist, monieren westliche Beobachter, Russland grĂĽnde in Moldawien NGOs, um politisch Einfluss zu nehmen. Sie beschreiben damit präzise eine politische Praxis, die der Westen seit den UmbrĂĽchen von 1989/91 völlig selbstverständlich fĂĽr sich beansprucht, sie aber kritisiert, wenn Konkurrenten auch nur den Anschein erwecken, es ihm gleichzutun.