23.08.2017 - 23:30 [ Der Freitag ]

Unter Verdacht

„Es wurden wahllos Leute zusammengesucht, die sich auf unterschiedlichen Ebenen gegen Neonazis engagieren – egal ob im Stadtteil, im Stadion, im Rahmen von Netzwerkarbeit oder auf Demonstrationen“, erzählt Holger S., der sich seit vier Wochen durch seine 24.000 Seiten Überwachungsprotokolle wühlt. Man habe keinen konkreten Verdacht erwecken müssen, um ins Visier zu geraten. Bei der Überwachung wurden laut Staatsanwaltschaft von über 800 Abgehörten 240 dieser Personen namentlich erfasst. Die Anwälte der Spitzelopfer prüfen nun die Rechtmäßigkeit der Maßnahme. „Die Beschuldigten haben sich teils noch nie im Leben gesehen“, so Holger S. „Es genügten häufige Telefonate mit Personen, damit aus Gesprächspartnern Beschuldigte werden.“ Allein räumliche Nähe diverser Personen hätte dazu geführt, „eine vermeintlich kriminelle Gruppierung zu konstruieren“.