29.01.2011 - 14:00 [ Zeit ]

Tunesien: Die Jasminrevolution

Das Totschlagargument des religiösen Fundamentalismus, das islamistische Gespenst, das Europa immer an die Wand malt, um die Diktatur zu rechtfertigen, hat sich also als untauglich erwiesen. In den vier Wochen des Kampfes der Unbewaffneten gegen eine hochgerüstete Polizei war kein einziger fundamentalistischer Slogan zu hören, keine islamistische Wandparole zu lesen.

Stattdessen hat diese Jugend ohne politische oder parteiliche Bindung sich in den einzelnen Stadtvierteln zu Bürgerkomitees zusammengeschlossen, um, unterstützt von der Armee, die Bürger zu schützen und Übergriffe und Plünderungen durch die Milizen der herrschenden RCD, die Machtbasis des gestürzten Präsidenten Ben Ali, ebenso zu verhindern wie die Aktivitäten der politischen Polizei: Mit Todesschwadronen verbreitet sie im ganzen Land Angst und Schrecken, um die Menschen glauben zu machen, dass sie allein das Chaos verhindern kann.