Es wäre nicht das erste Mal, dass über das Innenressort Politik gemacht wird. Und es wäre schon gar nicht das erste Mal, dass sich das Innenministerium brisante Akten bei den Ermittlungsbehörden bestellt. Ein parlamentarischer Untersuchungssausschuss förderte 2008 Erstaunliches zutage. Im Zuge der Bawag-Untersuchungen 2006 wies das Kabinett der damals amtierenden ÖVP-Innenministerin Liese Prokop das Bundeskriminalamt vor der Nationalratswahl an, Ermittlungsergebnisse zu Bawag, ÖGB und SPÖ „sofort“ dem Ministerium zu melden. Der damalige Chef des Bundeskriminalamts Herwig Haidinger hatte der Weisung zunächst Folge geleistet. Als sensible Informationen aus dem Akt kurz darauf an die Öffentlichkeit gelangten, kappte Haidinger den Informationsfluss ins Ministerium. Auch dem Wunsch des Kabinetts Prokops, Informationen zu etwaigen Geldflüssen von der Bawag zur SPÖ dem Ressort zu melden, kam Haidinger nicht mehr nach. Spätestens ab da war der unbequeme BKA-Chef, obwohl der ÖVP zugerechnet, zum Abschuss freigegeben.