09.06.2016 - 17:08 [ German Foreign Policy ]

Ostasiens Mittelmeer (II)

Der aktuelle Streit um die sogenannte Navigationsfreiheit im Südchinesischen Meer dreht sich formal um komplexe seerechtliche Fragen. Umstritten ist, welche Rechte Kriegsschiffe zum einen im Küstenmeer, zum anderen in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) haben. Das Küstenmeer umfasst einen Streifen von bis zu zwölf Seemeilen vor der Küste („Zwölf-Meilen-Zone“) und unterliegt der vollen Souveränität des Küstenstaats; die AWZ reicht bis zu 200 Seemeilen ins Meer, in ihr hat der Küstenstaat exklusive Rechte zur ökonomischen Ausbeutung (Ressourcenabbau, Fischfang) inne. Bezüglich der Rechte von Kriegsschiffen vertreten die Vereinigten Staaten und andere westliche Mächte eine großzügigere, die Volksrepublik China und weitere asiatische Länder eine strikter gefasste Interpretation des internationalen Seerechts.