06.07.2014 - 22:03 [ German Foreign Policy ]

Mit gespaltener Zunge

In Beijing wird das Konzept einer engen chinesisch-europäischen Kooperation in jüngster Zeit oft mit dem Konzept einer „neuen Seidenstraße“ verbunden. Dieses zielt darauf ab, den Handel sowie eine weitergehende Zusammenarbeit zwischen den Ländern entlang der alten Seidenstraße energisch zu intensivieren; eingebunden werden sollen dabei vom westchinesischen Xinjiang aus zunächst die Staaten Zentralasiens, dann Iran, die Türkei und Europa. Auch Russland soll sich beteiligen. Damit werde nicht nur ein riesiges „Infrastrukturprojekt“ zur Erleichterung des Warenaustauschs geplant, sondern die „Herstellung eines neuen politisch-kulturellen Zusammenhangs“ zwischen Asien und Europa, heißt es in einem Bericht, der auf einen Leitartikel der chinesischen Parteizeitung „Global Times“ Bezug nimmt. „Langfristig“ stehe wohl „die Vorstellung einer Integration Eurasiens dahinter, die die bestehenden weltpolitischen Gewichte nachhaltig verändern würde“. In dem erwähnten Artikel der „Global Times“ wird die Auffassung vertreten, man müsse „erkennen, dass Europa die realistischste Durchbruchsmöglichkeit darstellt, um das größte Hindernis für Chinas Aufstieg zu beseitigen: den Westen“.[4] Damit ist ein politisch-ökonomischer Block aus EU und USA gemeint, der die stärker werdende Volksrepublik als Rivalen betrachtet und sie mit aller Macht zu schwächen sucht.