17.02.2016 - 19:52 [ German Foreign Policy ]

Die Quittung

Kein wohlwollender Hegemon
Angesichts des zunehmenden Aufbegehrens gegen die deutsche Dominanz über die EU werden inzwischen erste vorsichtig kritische Stimmen im Berliner Establishment laut. Wenn „darüber nachgedacht“ werde, „dass Berlin eine führende Rolle einnehmen solle“, dann könne diese „nicht darin bestehen, dass wir die Richtung vorgeben und die anderen uns folgen sollen“, äußerte zu Jahresbeginn der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger.[12] „Wir waren jahrelang … kein benevolenter Hegemon, obwohl es längst klar war, welch große Macht wir in Europa gewonnen hatten“, räumt die ehemalige SPD-Politikerin Gesine Schwan ein.[13] Auch der einstige EU-Kommissar Günter Verheugen urteilt: „Was wir jetzt erleben, ist teilweise … eine Quittung dafür, dass eine ganze Reihe von europäischen Staaten sich von Berlin seit Jahren gegängelt und bevormundet fühlt.“[14] Nicht zuletzt mit Blick auf das zunehmende Aufbegehren gegen die deutsche Dominanz äußert Verheugen: „Das Jahr 2016 wird möglicherweise ein entscheidendes Jahr für die Überlebensfähigkeit der Europäischen Union.“