Analog äußert sich der Leiter des NATO-Referats für „Energiesicherheit“, Michael Rühle, in der aktuellen Ausgabe der „Internationalen Politik“. Seiner Aufassung nach ist die „Rückkehr“ zu einer Strategie der atomaren „Abschreckung“ gegen Russland zwar „unausweichlich“, nur sähen sich die Vertreter dieses Ansatzes mit dem Problem der „innenpolitischen Durchsetzungsfähigkeit“ konfrontiert: „Die sogenannte Nachrüstungsdebatte der frühen achtziger Jahre hat den westlichen Demokratien vor Augen geführt, dass nicht jede Rüstungsmaßnahme, die der Aufrechterhaltung der Abschreckung dient, von der Bevölkerung als Beitrag zur eigenen Sicherheit wahrgenommen wird.“ Während die seinerzeitige Stationierung neuer US-Atomwaffen auf westdeutschem Territorium einerseits „konsequent“ im Sinne der „Abschreckungslogik“ gewesen sei, habe sie andererseits bei vielen Menschen „Ängste“ ausgelöst, „die sich in Massenprotesten der Friedensbewegung niederschlugen“. Hierin komme ein klassisches „Dilemma“ der westlichen Militärpolitik zum Ausdruck, erklärt Rühle: Die Regierungen der NATO-Staaten könnten sich nicht ausschließlich daran orientieren, was sie für „militärisch notwendig“ halten, sondern müssten auch berücksichtigen, „was innenpolitisch zumutbar ist“.