(11.Oktober) Der Verrat ist die größte Stärke des Buches. Er entlarvt Tiefenstrukturen, die durch kein von Politologenhand entworfenes Organigramm zur Architektur der Europäischen Union erfasst werden, und lenkt den Blick auf das »Deep Establishment« der Union (so der Untertitel der Originalausgabe), auf die in ihren Gremien kursierenden inoffiziellen »Non-Papers« sowie auf die durch keinerlei demokratische Prozesse legitimierten Institutionen, zum Beispiel die von den Finanzministern der Euro-Zonenländer konstituierte Eurogroup.Wie in einem historischen Roman aus dem 19. Jahrhundert treten so auf einmal sich sonst lieber dezent im Hintergrund haltende Nebenfiguren konturenscharf ins Licht, die man mit Marx jedoch besser als Charaktermasken der »Institutionen« (wie die Troika fortan genannt wurde) begreifen sollte. So der EU-Kommissar Pierre Moscovici oder der Österreicher Thomas Wieser, Vorsitzender der Eurogroup Working Group (EWG) und, wie Varoufakis erst später erkannte, »in Wahrheit der einflussreichste Mann in Brüssel, viel einflussreicher als der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, oder Pierre Moscovici, der Wirtschafts- und Währungskommissar (Finanzminister der Kommission), und manchmal sogar mächtiger als Dijsselbloem selbst«, also der Chef der Euro-Gruppe. Diese Europäische Union erweist sich als ein wahres Monstrum.