Hinzu kommen machtpolitische Erwägungen. Wie es in einer Analyse des European Council on Foreign Relations (ECFR) heißt, räumen hochrangige Funktionsträger aus dem außenpolitischen Establishment der EU sowie einzelner Mitgliedstaaten „im privaten Gespräch“ unumwunden ein, dass ein „Brexit“ für den Staatenbund auch strategisch gravierende Nachteile mit sich brächte. Insbesondere werde die gemeinsame EU-Außenpolitik erheblich geschwächt. Großbritannien, das für ein Viertel der Militärausgaben in der EU und für rund 40 Prozent der EU-Rüstungsforschung stehe, sei die einzige bedeutendere Militärmacht Europas neben Frankreich. Zudem sei London bis heute „ein globales Finanz- und Medienzentrum“. „In einer Zeit, zu der die Macht sich von West nach Ost verschiebt“, würden „Europas Chancen, auf globaler Ebene etwas zu gelten“, deutlich „vergrößert, wenn Großbritannien im Herzen Europas eine konstruktive Rolle spielt“, heißt es beim ECFR.[5] Ein britischer EU-Austritt hingegen verringere nicht nur die Chance auf eine machtvolle Weltpolitik der EU, er drohe sogar zum Präzedenzfall für die Auflösung des Staatenbundes zu werden: Euroskeptiker – etwa in Schweden, der Tschechischen Republik oder Ungarn – könnten sich bestätigt fühlen und ihre Aktivitäten intensivieren.