01.12.2014 - 16:42 [ German Foreign Policy ]

Der Westen unter Druck

Die Welt in Unordnung

Transatlantische Kräfte warnen vor einem globalen „Rückzug“ des Westens. Gegenwärtig gebe es eine „globale Unordnung“, die „zumindest zum Teil“ eine Konsequenz mangelnder (!) Einmischung der NATO-Staaten sei, heißt es in einem aktuellen Papier des Think-Tanks „German Marshall Fund of the United States“ (GMF). Diese „Unordnung“ habe ein Umfeld geschaffen, „in dem der russische Präsident Wladimir Putin glaubte, er könne die Krim übernehmen“, und in dem China „mit militärischer Gewalt drohen und sie einsetzen“ könne, um seine Ansprüche auf Inseln und Inselgruppen im Süd- und im Ostchinesischen Meer zu stärken, schreibt der Autor Daniel Twining.[1] Twining, „Senior Fellow“ beim GMF, arbeitet auch für den „National Intelligence Council“ der Vereinigten Staaten, der langfristige Prognosen für die US-Geheimdienste erstellt. Er erklärt, ökonomische Kooperation mit anderen Staaten biete „keinen Schutz“ gegen militärische Konflikte mit ihnen: Weder habe Russlands wirtschaftliche Abhängigkeit vom Handel mit Europa Moskau im Ukraine-Konflikt zum Nachgeben gezwungen, noch werde China durch seine enge ökonomische Bindung an Japan genötigt, im Inselstreit zurückzustecken. Wirtschaftskooperation habe sich im Bemühen, potenzielle Rivalen einzubinden, als unzulängliches Instrument erwiesen.