Denkt man das brisante Thema durch, kann sich das Urteil des EGMR auch auf den konkreten Fall und die Rechtskultur in Österreich positiv auswirken. Denn das Vorgehen der französischen Justiz gegen einen ihrer prominentesten Anwälte basiert ebenfalls auf nichts anderem als auf dem Wunsch, jede Kritik an Justizentscheidungen im Keim zu ersticken. Dass dem die Große Kammer des EGMR nach fast zehn Jahren des Kampfes von Morice um sein Recht auf freie Meinungsäußerung einen kleinen Riegel vorgeschoben hat, zeigt, dass sich auch in scheinbar aussichtslosen Fällen anwaltliche Beharrlichkeit und Aufwand lohnen.