23.02.2015 - 21:48 [ German Foreign Policy ]

Von Račak zum Majdan

Instruktionen aus Berlin
Dass das Massaker trotz aller Unklarheiten bis heute zur Legitimation für Janukowitschs Sturz herangezogen wird, erinnert an ähnliche Verfahrensweisen in früheren Konflikten – so etwa bei der Legitimation des Kosovo-Kriegs. Höchste Bedeutung kam damals dem „Massaker von Račak“ zu. Am 16. Januar 1999 waren in dem südserbischen Dorf mehr als 40 Leichen von Kosovo-Albanern gefunden worden. Die damaligen Behauptungen westlicher Politiker und Medien, es habe sich bei ihnen um Opfer einer Hinrichtung durch serbische Repressionskräfte gehandelt, sind nie glaubhaft bewiesen worden. Vielmehr deuteten zahlreiche Indizien schon bald darauf hin, dass die Toten bei Kämpfen zwischen jugoslawischen Einheiten und der Terrormiliz UÇK ums Leben gekommen waren. Wie die finnische Forensikerin Helena Ranta, die damals die Untersuchung des Falles leitete, später beklagte, sei sie unter Druck gesetzt worden und habe vom deutschen Kosovo-„Sonderbotschafter“ Christian Pauls „Instruktionen“ erhalten: Es sei klar gewesen, „dass eine ganze Reihe von Regierungen Interesse an einer Version der Ereignisse von Racak hatten“, die „allein die serbische Seite verantwortlich machte“.[5] Die Todesfälle sind bis heute ebensowenig aufgeklärt worden wie die Todesschüsse vom 20. Februar 2014 auf dem Majdan.