(19.6.2014) Während der Weltöffentlichkeit wieder mal ein Terrorkriegs-Szenario im Irak um eine aus dem Nichts zu Legionsstärke aufgepoppte Miliz „ISIL“ vorgegaukelt wird, dreht sich die Krise im Irak in Wirklichkeit um die lukrativen Öl-Felder Kurdistans. Deren Ausbeutung ist von der Regionalregierung der Autonomen Region Kurdistans, unter Massud Barzani als Präsidenten und seinem Neffen Nechirvan Barzani als Premierminister, in Form eines über 50 Jahre angelegten Deals mit der Regierung der Türkei an diverse Konsortien verschachert worden, komplett an der Zentralregierung in Bagdad vorbei.
Der Deal war bereits im November 2013 über kurdische Quellen an die Öffentlichkeit gedrungen und nach einem Besuch Barzanis im türkischen Diyarbakir am 18. November 2013 und seinem dortigen Treffen mit Ministerpräsident Tayyip Erdogan unter Dach und Fach gebracht geworden.
Zwar benutzte Erdogan laut Presseberichten damals zum ersten Mal das Wort „Kurdistan“ in der Öffentlichkeit und verdeutlichte damit das wohl endgültige Ende des jahrzehntelangen türkischen Bürgerkriegs und der damit einhergehenden tödlichen Ignoranz der Nomenklatura gegenüber dem kurdischen Teil der Bevölkerung in der Republik Türkei. Doch offensichtlich fiel Erdogan, samt dem alten Schurken Barzani, nichts besseres ein als nun neues Elend anzuzetteln, diesmal im Irak.
In dem seit Jahrzehnten andauernden Tauziehen zwischen dem seit dem ersten Irak-Krieg 1991 faktisch unabhängigen (irakischen) Kurdistan und der nach der Invasion mit nur 1 Million Toten geschaffenen vorbildlich-demokratischen Zentralregierung des Irak in Bagdad spielt Kirkuk eine zentrale Rolle. Von Kirkuk verläuft die in 1970 fertiggestellte Kirkuk-Ceyhan-Pipeline in die türkische Hafenstadt am Mittelmeer.
Der nun vor kurzem angelaufene Export von Öl-Vorkommen aus dem irakischen Kurdistan – wie gesagt: ohne entsprechendes Bakschisch an die lieben Demokraten zu Bagdad – läuft über eine Ende 2013 fertiggestellte Pípeline von den Öl-Feldern Khurmalas (hier die Position von Khurmula zwischen Erbil und Kirkuk) hoch zur irakischen Grenzstadt Faysh Khabur (Fish khabur) am Dreiländereck zwischen Irak, Türkei und Syrien.
Wo genau die neue Pipeline verläuft, welches Konsortium sie gebaut hat und welches sie betreibt, darüber hüllten sich die Beteiligten in Schweigen.