09.07.2015 - 06:26 [ Radio Utopie ]

DIE GRIECHENLAND-KRISE (VII): Am Anfang war die Statistik

(18.März 2012) EUROSTAT hätte die Statistiken der Partner von ELSTAT überprüfen müssen und waren auch berechtigt dies jederzeit zu tun; doch seltsamerweise hatten dies die EU-Statistiker, just im Jahr vor Inkrafttretens des Lissabon-Vertrages am 1. Dezember 2009, nach eigenen Angaben nicht getan.

Leiter der im Großherzogtum Luxemburg sitzenden EU-Statistiker ab dem 23. April 2008: Walter Radermacher. Zuvor war er Leiter des deutschen Statistischen Bundesamtes gewesen – unter dem damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble.

Am 15. November 2010 nun, während eines Besuchs von Abgesandten der EZB, des IWF und der EU in Athen, gaben die EUROSTAT-Fachleute von Radermacher eine äußerst bemerkenswerte Statistik heraus; EUROSTAT erhöhte die Angaben über das Staatsdefizit Griechenlands für das Jahr 2009 noch einmal rückwirkend auf 15,4 Prozent vom BIP. Bei ihren Angaben berief sich EUROSTAT wiederum auf Athen und ELSTAT.

Hatte bereits die Erhöhung der Angaben über das Defizit des griechischen Staates durch die neu ins Amt gewählte Pasok-Regierung im Oktober 2009 die Zinsen auf griechische Schuldtitel (Anleihen) an den Geldmärkten explodieren lassen und ein bis heute andauerndes Karussell von Enteignung der Bevölkerung, Verkauf öffentlichen Eigentums, sowie Kommerzialisierung („Privatisierung“) und Entstaatlichung Griechenlands in Gang gesetzt, so sorgte nun diese im November 2010 rückwirkend erklärte Verschlimmerung des Zustands vom griechischen Staatshaushalt 2009 dafür, daß der Prozess, trotz aller bereits aus staatlichen Mitteln geflossener Gläubiger-„Rettungen“, erneut Fahrt aufnahm.